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Kakerlake

Krieg und Frieden

So ganz allein in good old India, habe ich mich dann doch gegen das Weiterschauen von „Hotelzimmer 14??“ entschieden  und bin zur Mediathek unseres GEZ-pflichtigen ersten Programmes übergegangen, um mir einen DDR-Spitzel-Film anzuschaun, (wahrlich leichtere Kost!) als plötzlich die Nachtruhe durch 2 Kanonenschüsse, direkt vor der Haustür, polternd und tosend gestört wurde. Verstört schauten Kati und ich uns an. Wer schießt da mit Handfeuerwaffen in der Größenordnung von Granatwerfern? Dann ein erneuter Schuss, diesmal noch lauter. „Ob die wohl auf die Eulen schießen?“, fragte Kati besorgt? „Beim nächsten Schuss geh ich raus, nachsehen!“, meinte ich. Dazu kam es nicht, da es bei drei blieb und es mir eh von meiner Mitbewohnerin verboten worden wäre. (Auch wenn ich ein Schisser bin, wollte ich mir die Schiesser angucken…die Neugier gewinnt doch manchmal über die Angst (das sind die Momente in Horrorfilmen, in denen man denkt: „Ey du Arsch, was guckt du jetzt nach, bleib im Versteck, du Depp“…splisch, splasch, splusch, alles voll Blut!)!)

Die Nacht ging aufregend weiter, denn die Kakerlaken-Situation spitzt sich zu. Die Fronten im Bad sind nicht klar verteilt, die 6-Beiner haben uns jetzt offiziell die Fehde erklärt! Sie treten zwar immer noch alleine aufs Schlachtfeld, (die Inversion wird allerding wohl nicht mehr allzu lange dauern),dafür werden ihre größten Krieger nun geschickt und diese lauern jetzt direkt VOR dem Klo, haben ihre Eckpositionen verlassen, um uns genau vor der Toilette, also unserm geplanten Zielort, abzupassen. Sie wissen um ihre perfekte Ausgangstellung, denn diese trifft uns zutiefst und zwar genau da, wo sie hinzielen: im „Ekelzentrum“ des Gehirns!

Mit der Taschenlampe bewaffnet, den auf den billigen „Ich-mach- das-Badezimmerlicht-an-und Du –findest-den-Weg-ins-Schlafzimmer“-Trick fall ich nicht mehr rein, schlich ich ins Bad. Ich leuchtete behutsam, mit pochendem Herzen, die Ecken ab…kein Feind in Sicht, erleichterndes Durchatmen. Nun leuchtete ich mir den Weg zur Toiletten, die zudem noch nicht „rattenfest“ (Klodeckel drauf, Waschzuber auf diesen gestellt) gemacht wurde, ich machte barfuß den einen Schritt (denn grösser ist die Nasszelle nicht) zum Klo, da…krawummmmm, saß der feindliche Badbesetzter und lächelte mich schief an. Was tun?? Kakerlaken sind schreckhaft, sagte ich mir, und meine Hauptaufgabe hier an der Front heißt: „Beschütze Deine Schlafstube!“. Mutig, wie eh und je (im Kopf hörte ich Menschenmassen schrein: „ Ey, du Arsch, was guckst du jetzt nach, bleib in deinem Versteck, du Depp!“) ging ich einen Schritt auf das umzingelte (ja, auch bei einer Kakerlake kann man durchaus von „Umzingeln“ sprechen!) Klosett zu, um dann kreidebleich festzustellen, dass sie dieses Mal einen wirklich gut ausgebildeten Soldaten ins Feld geschickt hatten. Der Streiter rührte sich nicht vom Fleck, mir kam es sogar vor, als ob er sich auf mich zu bewegte! Ein erneutes „Was tun?“ schwirrte durch mein Pazifisten-Hirn. „Mission erfüllen!“, war meine Antwort (und damit meinte ich beide Missionen: Toilettengang sowie Schlafzimmerverteidigung), denn „Nothing is stronger than the heart of a volunteer“ (sagte schon Alec Baldwin in „Pearl Harbour“ über seine Fliegergruppe, die sich Richtung Japan in Bewegung setzte) und führte dann, meinen in Gräuel durchdachten Plan aus.

Ich legte die Taschenlampe (voraus denkend, wie ich bin, nahm ich die Mag Lite mit ins Zentrum des Geschehens, die ich natürlich auf Grund des Gewichts und Größe NICHT wir geplant unter den Hals klemmen konnte, um die Tür anzuleuchten) mit dem Lichtstrahl gen Tür, auf den Boden, so war die Tür geschützt, keine Kakerlake, auch die durchtrainierteste nicht, würde durch das Licht gehen (wobei wir wieder bei einem Horrorstreifen sind: „Geh nicht in das Licht…hörst du, geh nicht in das Licht!“ „Poltergeist 1“, einer meiner Lieblingsgruselfilme, nur so am Rande)! Guter Plan!!! Da Einzige, was ich allerdings nicht durch dacht hatte war: jetzt sah ich den Feind nicht mehr, vielleicht lauert er noch vor der Schüssel und ich trete nackten Fußes darauf!!? Oder er springt mich, wenn ich grade am verletzbarsten bin, aus der Dunkelheit an!? Schnell nochmal die Lampe aufgehoben, Soldat gesucht, Soldat gefunden, Soldat bewegt sich Richtung Tür, Tür angestrahlt, alle Hemmungen überwunden, schnell den Toilettengang hinter mich gebracht, in der Hoffnung heil aus dieser Sache wieder rauszukommen, danach schnell aufgesprungen, Taschenlampe geschnappt, Tür auf, Tür zu…Mission Impossible erfolgreich abgeschlossen, das Schlafzimmer ist safe! Puh, was ein Kampf!

Dann konnte ich leider erst um 5 Uhr einschlafen, aber man kann ja nicht alles haben!

Morgens beim Frühstück erfuhr ich dann, dass es Silvester-Krache waren, die abgeschossen wurden. Und tatsächlich wegen den Eulen, da Eulen in Indien Unglück bedeuten (oh je, armes Athen, bzw. das erklärt einiges…!).

Nach dem Mittagessen dann fing er an: der gefühlt relaxeste Tag seit 5 Jahren!

Nachdem ich noch schnell ein Geschenk bei „Anokhi“ besorgt hatte (da fing es schon eigentlich schon an, denn die nette Dame am Tresen, gab ihn ihren Computer, der genaue Statistiken erfasst, anstatt 35-40 unter 30 an, auch wenn sie höchstwahrscheinlich nur vergessen hat, dieses Feld anzuklicken, es war eine wohltuende Bauchpinselei.)

Und dann schritt ich durch die Pforte des 4 Sterne Hotels „Ajit Bhawan“ (nach einer kurzen unfreundlichen Begrüßung vom Wächter am Tor, ob ICH denn überhaupt hier wohne würde). An der Rezeption sagte ich, dass ich gerne den Swimmingpool benutzen möchte. Durch Zufall, da ich mich in Deutschland erkundigt hatte, wusste ich, dass Voluntäre vom Trust nur 350 anstatt 570 RUP bezahlen müssen (aber Zufälle sind hier ja nicht zufällig!).

Tja, Ihr Lieben, wenn man hier untergebracht ist, dann glaube ich wohl, dass einem Indien gefällt! Nette Anlage! Am Pool wurde mir, nachdem ich meinen Passierschein abgegeben hatte, ein Handtuch hingelegt und zuerst hatte ich die ganze Pool-Area  für mich. Dann glitt ich ins Wasser…ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl war… nach knapp 2, 5 Monaten, nach Temperatuten von über 40 Grad, nach dem Monsun, nach Stress und Anspannung …ich hätt heulen können im Pool, so toll war das! Wie hab ich den Tag genossen! Ich schwamm, lies mich auf der Liege trocknen, schwamm, genoss einen Cold-Coffee mit Vanilleeis, schwamm, ging auf der Liege Tagträumen nach, aaaaacchhhhh…

Um 18 Uhr verließ ich vollkommen entspannt das Hotel und lief Richtung Guesthouse. Ich war so locker, dass ich dem LKW-Fahrer, der genau hinter mit eine halbe Minute auf seine Hupe eindrosch, dass ich dachte jetzt ist das Trommelfell durch, nicht auf die Fresse schlug. Der kann froh sein, dass ich vorher im Spa war, andererseits wäre ich, angesichts dieser Grobheit nicht mehr zu halten gewesen (die Ohren tun mir immer noch weh).

Im Guesthouse wurde gleich bemerkt, wie entspannt ich aussehe, nun hoffe ich auf eine ebenso entspannte Nacht, schlaft gut!

 

Die Nacht des Schreckens…!!!

Die Nacht des Schreckens liegt hinter uns!

Nichts ahnend, vom Tinnitus und voller Blase geplagt, brillenlos und blind, schlich ich aufs Klo um mich der vorher erwähnte zu entledigen. Ich hatte es mir grade auf der wackeligen, gefährlich losen Klobrille gemütlich gemacht, als eine Erscheinung mich fast von dieser runterschmiss. Eine riesen Kakerlake mit mindestens 6 Beinen, ungelogen (!) 4,5 cm lang (was mir zu denken gibt, ich sah nämlich schon mal eine größere in unserem Bad…wo ist die?!) lief, ohne Angst und Scheu in einem Affentempo auf mich zu. Ohne auch nur einen Gedanken an die unfeste (dieses Antonym gibt es gewiss und sicherlich!) Brille (nicht die auf der Nase, die hatte ich ja nicht auf) zu verschenken, riss ich mit einem Aufschrei des Entsetzens meine Beine in die Höhe. In dieser Position versuchte ich mein schlaftrunkenes Hirn zu aktivieren, was zu tun sein. Wenn dies eine harmlose Kakerlake gewesen wäre kein Problem, diese schien mir aber eher von der angriffslustigen Art zu sein! Mein Blick fiel auf den kleinen Schöpfeimer, in dem noch der lackverschmierte Ärmel von Katis Bluse einweichte. Die Lösung! Jetzt oder nie! Leichtfüßig mit klopfendem Herzen lies ich meine Beine zu Boden, näherte mich schlangenfrauartig dem Gefäß, zog sachte das Stück Ärmel raus, entleerte lautlos und ohne zu atmen den von mir erkorenen Kescher, um ihn dann schnell wie der Blitz über den mehrbeinigen Übeltäter zu stülpen. (Selbst jetzt beim Aufschreiben des Erlebten stockt mir der Atem…). Doch das Drecksvieh war schneller! Mit einem spitzen Schrei sprang ich einen Schritt zurück, um mich im nächsten Moment todesmutig der Kakerlake in den Weg zu stellen…nein, in unser Schlafzimmer kommst du nicht! Doch anscheinend lassen meine heldischen Züge sich noch ausbauen, als der Angreifer nämlich auf mich erneut zuschoss, nahmen meine Beine ohne Kontakt mit meinem Großhirn aufzunehmen Reißaus und ich fand mich in einer der Ecken des überschaubaren Bads wieder… Vielleicht hält ja mein Schutzwall, vielleicht hält ja mein Schutzwall…mit diesem Mantra, sprach ich mir Mut zu, obwohl mein, langsam wieder etwas arbeitende Hirn mir sagte: „Wir haben ihn doch zerstört und niedergetrampelt!!!?“ Meine, ebenfalls in Panik erbauter, Handtuchbarriere, die ich vor der Badezimmertür im Schweiße meines Angesicht errichtete, um die enorme Lücke unter der Tür zu stopfen, als nächtens die Mutter oder Großmutter unsere jetzigen Küchenschabe (das hört ich viel zu harmlos für dieses Monster an!) in unserem Bad saß. Diese Exemplar war allerdings friedlich und zeigte sich von der besonnenen Seite…ganz im Gegenteil zu der Tochter, bzw. Enkelin! Die anfangs liebevoll gepflegte Barrikade wurde mit der Zeit, im wahrsten Sinn des Wortes mit Füssen getreten…als Abtrethandtuch oder Teppich missbraucht. Dies sollte uns jetzt zum Verhängnis werden! Eh ich mich versah wandte die Kakerlake, meine Gedanken lesend, ihren Blick von mir ab, drehte sich nun endgültig Richtung Tür, erahnte die Chance, ergriff sie und schoss durch die Nische hindurch. Das „Neeeeeiiiiinnnnn!“ von mir lag noch lange in der Luft, während ich schon zur Tür eilend, den Kopf nur wenige Zentimeter über dem Fußboden, komplett sehgestört nach der Schabe Ausschau hielt. Einerseits voller Angst sie zu erblicken, andererseits die Furcht eben dieses nicht zu tun! Erst mal was sehen, um dem Feind Auge in Auge entgegenblicken zu können! Wo ist die verdammte Brille? Ohne Brille eine Brille zu finden ist nicht allzu einfach, noch dazu wenn die Hände zittern und man versucht ruhig zu bleiben, um Kati vor dem Schrecken der Nacht zu schützen! Dass sie bis dato nicht aufgewacht ist, ist ein Wunder schlechthin! Sie schlief den Schlaf der Gerechten. Doch auch der Gerechte hat irgendwann ausgepennt…und dies spätestens als mir, die Brille endlich auf der Nase, die Mag-Lite als Lichtquelle sowie zur Verteidigung in der Hand, ein erneutes „Oh, neiiiiiiiinnnnn!!!“ entfuhr, als das Krabbeltier unter dem von mir schlotternd hochgehobenen Handtuch, ehemals Wall, entwich und hinter Katis offenem Koffer verschwand.

„Was ist es“ schrie sie mir entgegen. „Die Kakerlake“, schrie ich in ihr 1 Meter entferntes Gesicht zurück. „Sie ist in unserm Zimmer!“, „Mein Gott, wo?“ schallte es mir entgegen. „Hinter deinem Koffer!“ schallte es wiederum zurück. „Ich hab versucht sie zu fangen, aber sie ist zu schnell!“ Da standen wir, Kati in Unterwäsche, ich im kurzen Trägernachthemd beide zitternd vor Aufregung und machten uns, bewaffnet mit Taschenlampe und Fanggefäss bereit zur Großwildjagd. Kati war voll bei der Sache und mit einem gesetzten Wurf( die Spannung war kaum auszuhalten, es lief wie in Zeitlupe ab, selbst die Kakerlake, die den Eimer erblickte und ihr Maul aufriss, erstarrte, den Kopf in den Nacken gelegt), sie, die Meisterin der Waidmänner, bzw. Frauen, wir sind ja schließlich auch in einem Empowerment-Center, hatte das Biest im Netz, äh Eimerchen. Dann hörte es allerdings auch auf mit dem Empowerment… Das Ungetüm war zwar gefangen, doch leider stand der Plastikzuber etwas ungünstig. Nämlich halb auf Stoff, so dass das Unterschieben von Papier sich als nicht so einfach entpuppte… „Was machen wir jetzt?“ schrie Kati, noch ganz im Jagdfieber „Ich weiß es nicht!“ rief ich zurück. „Mein Gott“, schrien wir fast gleichzeitig unsere Gehirne angestrengt nach einer Lösung suchend auf Hochtour laufend. „Ich mach schon mal die Tür auf!“ Kati machten einen Schritt zu dieser und öffnete laut den Riegel: Ich hielt den Eimer fest runtergedrückt, um das Vieh nicht entlaufen zu lassen, meine Rückseite gen Tür.

Auf einmal hörte ich ein fernes „Anything wrong?“ und Katis darauffolgendes „Wir haben ein Tier im Zimmer…äh, we have an animal in our room!“ und ein wiederum darauf folgendes entsetztes „An animal!?!“ Bis ich erst mal begriff, dass dies Fares Stimme war und ich ihm, mein nur in Unterhose steckendes Hinterteil entgegen streckte, da das Nachthemd so kurz ist, vergingen gefühlte Minuten. Ganz cool wechselte ich jetzt die Hand mit dem Fuß aus und wie ein Cowboy stand ich mit diesem auf dem Eimer. „Yes a cockroach. So big!” Ich zeigte es ihm mit meinen Fingern, womöglich zeigte ich ein paar Zentimeter zu viel an, aber bei der Aufregung möge man es mir verzeihen. „A cockroach?“ kam als Antwort, als ob ich „Ein Rhinozeros“ gesagt hätte. Und schwupps stand er in unserm Zimmer. „Where?“ „Here!“ „It is so dark here!“ Keine Reaktion „I don´t see anything!“ Immer noch nichts. “Why is it so dark in here!” Blink… machte ich ihm meine Taschenlampe an. „I still cant´t see anything!“ Jetzt konnte auch Kati, die auf dem Bett stehend, ihr Unterhemd nach unten ziehend, nicht mehr anders und musste zum Schalter greifen. Das Licht durchflutete unserer Raum… völlig (!!!) desinteressiert ob unseres Aufzugs sagte er : „Let me do this. I need a shoe!“ „I have only Flip Flops!“ sagte ich, doch die sollten reichen gab er zurück. Meinen Flip Flop wie einen Zauberstab schwenkend, die Kakerlake verfiel bei diesem Anblick in Schockstarre, lies er ihn einmal sanft auf sie runterfahren. Ich glaube sie war wirklich ohnmächtig, ich hörte nämlich kein Knacken…und saß sie zudem noch schnaufen! „How did it come in?“ fragte Fares kopfschüttelnd und wollte in unsere Bad mit der bewusstlosen Schabe. Ich versperrte ihm den Weg. „Oh, maybe through the bathroom!?“ er drehte um. Ja, maybe!! Immer noch verdutzt entledigte er sich des Eindringlings im Hof…Ja, schon merkwürdig…eine Kakerlake in Indien…!

Von Lachkrämpfen geschüttelt fanden wir irgendwann den Schlaf…

 Heute Morgen dann als wir ihn trafen, schaute er uns an, fing an zu kichern und sagte: „You two…Laurel and Hardy!“ Na danke… „And you?“ fragte ich. „Charly Chaplin!“ O.k., das ist gerecht!

 Wir gingen heute zum endgültigen Abschluss des Theaterworkshops mit den Mädchen ein Lassi trinken. Sie beschenkten uns danach mit Fußkette und Armband…schnief…

Nach Boarding House und Abendessen bin ich nun ziemlich fertig und wünsche Euch dementsprechend eine gute Nacht, diesmal ohne Besuch!!