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Indien

„Ohne Annahme Futterluke verschnaufen lassen“, um es mal höflich auszudrücken…

Die Nächte werden merklich kühler! Besonders im Zimmer merkt man das, wenn auf einmal der liebgewonnen Ventilator zu viel Wind aufwirbelt. Also wird er runter gestellt, was zur Folge hat, dass man die Nebengeräusche, die zwischendurch schön ausgeblendet wurden, wieder voll und ganz miterleben darf. Ebenso das Klingen und Singen im Ohr, was mich leider erst spät einschlafen lies. Dafür hatte ich Träume…wie schon so oft erwähnt, man kann halt nicht alles haben!

Yoga habe ich jetzt 2 Wochen verlängert… den Luxus von Privat-Stunden müssen ausgenutzt werden!

Heute Abend wieder Kino, das scheint hier das typische Freitag-Abend-Programm zu sein!?

Beim Frühstück durfte wieder live erlebt werden, wie wenig (oder gar nicht) Ä.-G. zuhört! K.-G. schälte am Tisch einen Apfel, sie kam ebenfalls mit ungeschältem Obst aus der Küche. Ob sie das jetzt selber schälen wollte, fragte eine. Ja, die andere Granny schäle ja auch selber, war die Antwort…soweit so gut.  Es sei aber der eigene Apfel, vom Markt besorgt und aus dem Zimmer mitgebracht, erwiderte darauf eine der älteren Damen. „Ach“, entgegnete Ä.-G., „Äpfel gibt es auch in der Küche? Mir haben sie gesagt, sie hätten nur Bananen und Papaya!“ Und so geht es die ganze Zeit!!!

Dann haben Kati und ich unser sieben Sachen gepackt und sind in einer Rikscha gen Boarding-House. Den es war mal wieder Suncity-Hospital angesagt. Diesmal mit Aasu und Poocha, die beide geschwollene Lymphknoten hatten und mit Sangita, die unter Kopfschmerzen litt.

Kaum waren wir im Krankenhaus mutierten unsere frechen, lauten Mädchen zu stummen Mumien, voller Vorangst (ja, auch dieses Wort gibt es sicherlich!) auf eine Spritze. Wir wurden zum Kinderarzt geschickt. Und da ich mich mittlerweile auskenne (und viele mich auch erkennen), wusste ich, dass man einfach in das Arztzimmer reingeht, seine Unterlagen auf den Tisch legt und aufpassen muss, dass der Nächste seine nicht über die deinigen legt. Ein Auge auf die Kinder, eins auf die Unterlagen, warteten wir auf den Doktor.

Die Untersuchungen gingen rasch und da wir zu zweit waren, konnte, während ich in der engen, vollen unübersichtlichen Apotheke, die Medikamente holte, Kati Poocha überreden, doch auf dem Behandlungstisch zum Aufschneiden einer Wunde und der Eiterentsorgung, Platz zu nehmen. Ich glaube, ich hatte die einfachere Aufgabe.

Der Schauspielunterricht war gut und anstrengend. Am Anfang probten wir „besoffen sein“. Die Mädchen haben das schon oft genug im realen Leben bei ihren Vätern gesehen, aber an der Darstellung hapert es noch. Sie waren grade richtig gut drin, da…mal wieder kam Fares  mit Begleitung an. Er passt echt immer die passendsten Momente ab!

Die Theater-Mädchen waren erst Mal drüber, sie kicherten und giggelten (eigentlich nicht Neues), nachdem sie sich wieder gefangen hatten, waren plötzlich die Theater-Mädchen-Regisseure außer Rand und Band…den Fares teilte uns mit, daß die Babys sich über Ä.-G. beschwert hätten und aus diesem Grund würde Amy aus Manchester, der Gast den er mitgebracht hatte, mit in Boarding-House kommen. So haben wir uns noch nie über einen Störenfried gefreut! Amy ist 32 und furchtbar nett (leider bleibt sie nur einen Monat).

Also ging es diesmal zu viert ins Boarding-House. Ä.-G. wollte unbedingt mit, tippte schon ungeduldig auf die Uhr weil es nicht pünktlich um drei los ging.

Amy paßt perfekt ins Boarding House! Die Kinder lieben sie schon jetzt und sie geht total super mit ihnen um! Ä.-G. hat sich schon wieder Sachen geleistet…Sie hat sich überhaupt nicht auf Indien eingestellt und gar nicht vorbereitet. Sie hat keinen Plan und vergleicht es mit Deutschland und einem von Holländern geführten Projekt, dass schon 20 Jahre läuft in Afrika!!!  Wie es gibt kein Toilettenpapier? Warum sprechen die alle denn nicht Englisch? Die können ja nichts! Wie, Hindi ist eine Fremdsprache für die? Warum wohnen die denn nicht zuhause? Mit 12 schon verheiratet?? Wo gibt es denn das? In INDIEN, in dem Land, in dem Du Dich grade befindest!!!! Sie hat dann auch zugegeben, dass sie ich vielleicht mal informieren sollte, denn zuhause hatte sie keine Zeit, was über Indien zu lesen (!?!), aber aufgehört alles besser zu wissen hat sie nicht, mittlerweile sind alle voll angenervt und sie rafft es noch nicht mal…

10:30 war mal wieder Movie-Time! („So, spät, ja wann sind wir denn dann zuhause??“ Dieser Ton…was Töne betrifft bin ich eh sehr(!) sensibel…mein lieber Ehemann weiß das!). Wir sahen „Aiyyaa“ eine Bollywood-Parodie und Liebesfilm, lang, aber schön! Ich werde glaube ich, noch zum Bollywood-Fan…allerdings gibt es die wirklich coolen Streifen nicht in Deutschland…immer nur die fünfeinhalb Stunden Dramen…

Eine kurze Anekdote noch am Schluß: Der Rikscha-Fahrer wollte nach dem Kino 100 RUP, 60 mehr als auf der Hinfahrt. Es wurde diskutiert und verhandelt. Ä.-G. sagte dann: „Ja, könnt ihr euch nicht endlich entscheiden? Das bringt doch nichts!“, worauf sie nicht nur rollende Augen, sondern auch ein „Das gehört zum Spiel!“ erntete. Die Tuk Tuk-Gang wollten nicht runter gehen, also Spielzug Nummer 2: „Dann laufen wir halt!“ Alle setzten sich in Bewegung, außer einer (wer das war muss ich glaube ich nicht erwähnen). Mit verschränkten Armen stand sie da: „Nein, ich laufe bestimmt nicht!“. Aaaahhhhhhhhhhh…, warum vertraut sie nicht den Leuten, die schon fast 3 Monate hier sind?? Und: Wer keine Ahnung hat einfach mal die Fresse halten!!!!! Entschuldigung, aber auch!

 

 

Von einem indischen Sesselfurzer…

Vor meiner Haustür wird grade der Anti-Eulen-Zauber durchgeführt. Seltsam, gruselig und gleichzeitig für westliche Begriffe auch lächerlich, was hier ein Aufstand, wegen einem Eulenpärchen und dessen Baby gemacht wird! Aber die Leute hier haben wirklich Angst! Angst weil ein paar Eulen ein Nest auf deren Dach gebaut haben… Diesmal ist übrigens doch nicht das Medium, wie zuerst vermutet, anwesend, sondern ein Mann führt die Reden sowie Gebete und Mantras.

Dies durften wir dann auch noch liver miterleben, Kati und ich wurden nämlich gebeten, uns dazu, hinter Fares und seine Frau, zu setzten (das sind die „Privilegien“, die man als neue Lieblings-Voluntäre hat). Es waren 2 Männer, die beteten. Der eine war wohl eine Art Priester und saß auf einem Stuhl, der andere führte aus und sang ebenfalls und saß, wie wir, auf dem Boden. Das Spannendste war, dass, selbst während des Gebetgesangs, Priester, sowie Hiwi, ihr Handy in der Hand hatten und SMSe schrieben. Es wurde die Göttin Lakshmi, sie steht für Glück und Schönheit, als Spenderin für Reichtum, sowie geistiges Wohlbefinden, Harmonie, von Fülle und Überfluss. Ihre Begleiterin ist die Eule (!). So mitten drin, war es schon irgendwie, hmm, sehr spirituell (außer dem SMS-Geschreibsel), feierlich…vielleicht war sogar etwas von der „Magie Indiens“, die von so vielen beschrieben wird um uns rum. Am Schluss durften wir gesegnetes Brot essen…wer weiß, Glück, ein wenig Geld, Wohlbefinden und Harmonie können nicht schaden…

 Auf jeden Fall hat mir Lakshmi meine Träume zurückgebracht und darüber bin ich sehr glücklich!

 Seit 9 Uhr 5 kann ich den schweizer Dialekt, den ich vorher wirklich toll fand, nicht mehr hören! Tja, soviel zum Überfluss, danke Lakshmi! Diese 76 Jahre alte neue alte Granny redet, redet, redet…einige von uns haben sich gar nicht an den Frühstücktisch getraut, sie hatten Angst tot-gelabbert zu werden! Mutig, wie immer, stellte ich mich auch diesem Kampf. Ging allerdings in Schutzgrabenstellung: ich setzte mich etwas weiter weg und tat so, als ob ich angeregt Zeitung lese… Diese Taktik funktionierte und so konnte ich, fast ungestört, die erste Mahlzeit des Tages zu mir nehmen.

 Nun geht es zu Ram Ram…

Vorher aber habe ich mich dem weiblichen Wilhelm Tell, ohne Armbrust, dafür mit lauten, schnell (und das für eine Schweizerin!) hervorpreschenden Killerworten bewaffnet, gestellt. Und siehe da: sie ist ganz nett!

Dann gings ins Amt (welches es genau ist, hab ich immer noch nicht kapiert). Von außen wirklich „Oh lala!“, ein altes indisches Palastgebäude mit schön angelegtem Garten. Hier passt das Sprichwort „Außen hui, Innen pfui!“ wie die Faust auf´s Auge. Kahle Hallen mit undefinierbaren braunen Flecken überall, aus den Ecken hört man Gerülpste, Nasenschlotter, der hochgezogen wird und es stinkt, als ob man eine öffentliche Toilette besuchen würde. Das Gebäude ist mit seltsam grünem Licht ausgeleuchtet, eigentlich ziemlich gruselig! Wir waren die Hingucker des Administationsgebäudes. Blicke folgten uns überall hin. Und sie konnten auch lange folgen, da danke der ungenauen Auskünfte und Finger- und Handzeigs (Hände werden in undefinierbare Richtungen gehalten, während die Finger auf was anderes deuten) liefen wir, wie Asterix und Obelix, die Treppen rauf, auf der anderen wieder runter, um den Flur zu überqueren, da wir rechts wieder eins rauf mussten, um dann gleich wieder linkes zwei Stockwerke runter zu gehen, hin und her. Endlich fanden wir das Zimmer der Vertretung von Ram Ram Jakeineahnung! Hier hat mein Exotenbonus gewirkt und die wartenden Anwärter (!) ließen uns alle vor! Die Vertretung war nett, soweit ich das erfassen konnte, denn natürlich sprach er nicht Englisch (was hat Fares nur geritten, mich tatsächlich alleine hier hinschicken zu wollen!?! Na, was ein Glück hab ich was gesagt!), das einzige was ich verstand war „Chef of Police“ und das ein paar Mal. Und: ich hatte mich nicht verhört, denn wir mussten uns nach ca.3 Minuten und der errungenen Permission, auf den Weg zum Polizei-Chef machen, der praktischer Weise auch in diesem Gebäude sein Büro hatte. Was ein Arsch! Also so was unhöfliches, da brauchte ich weder meine Hindi-Kenntnisse auszugraben, noch Dilhkusch als Übersetzerin…der Typ ist ein Depp, der seine Position, in seinem Furzbüro ausnutzt und sich seiner Macht bewusst ist (wahrscheinlich sprach er richtig gut Englisch und wollte sich nur nicht dazu herablassen!). Wo wir denn spielen wollten? Hä was meint der, wo?? Ja, den Ort sollten wir doch von ihm erfahren! Nein, so ginge das nicht! Man muss schon selber einen Platz ausdenken. Den sollen wir ihm dann nennen und wenn er will, dann genehmigt er es…oder halt auch nicht. So einfach ist das! Also schön, wäre ja alles auch zu schön gewesen…morgen fahren wir denn dann erneut hin und ich will doch hoffen, dass Fares mit ein paar Vorschlägen rüberkommt!

 (Habe grade erfahren, dass der Priester bei der Predigt gestern, Glück versprochen hat, falls man die Eule nachts nochmal sieht. Fares hat sie gesehen…die Nachbarn nicht…beide Häuser haben einen Hund…ein Hund ist die Nacht gestorben…ratet mal welcher? Gruselig!!!)

 Im Workshop waren zwar nur 3 Mädchen (Ratshni wurde von ihrem besoffenen Vater gestern wohl verprügelt und deshalb nicht anwesend), dafür waren diese umso besser. Wir dürfen jetzt mit täglichen Eindringlingen rechnen, da es wohl in der Hausordnung steht, dass jeder noch so doofe Tourist freien Zugang zu allen Trust-Bereichen hat…na klasse. Außerdem haben wir erfahren, dass demnächst „wichtige“ Gäste kommen und wir diesen unser ersten Theaterstück zeigen sollen…nochmal: na, klasse…und wann sollen wir bitte sehr dafür proben? Die letzten Wochen versprechen richtig anstrengend zu weder…ein drittes Mal: NA, KLASSE!

Im Boarding House wird geknuddelt wie irre…alle kommen ein und wollen nicht einen ganz und gar und nur für sich alleine…WO BLEIBT DIE VERSTÄRKUNG???

Ich bin müde, wie eh und je (die erwartete Voluntärin ist immer noch nicht erschienen…hab ich mich etwa schon wieder im Datum vertan? Nein, habe ich nicht, ich habe mich eben nochmal vergewissert!).

 Ich versuche demnächst wieder zu träumen, alles Liebe, Anke

 

Krieg und Frieden

So ganz allein in good old India, habe ich mich dann doch gegen das Weiterschauen von „Hotelzimmer 14??“ entschieden  und bin zur Mediathek unseres GEZ-pflichtigen ersten Programmes übergegangen, um mir einen DDR-Spitzel-Film anzuschaun, (wahrlich leichtere Kost!) als plötzlich die Nachtruhe durch 2 Kanonenschüsse, direkt vor der Haustür, polternd und tosend gestört wurde. Verstört schauten Kati und ich uns an. Wer schießt da mit Handfeuerwaffen in der Größenordnung von Granatwerfern? Dann ein erneuter Schuss, diesmal noch lauter. „Ob die wohl auf die Eulen schießen?“, fragte Kati besorgt? „Beim nächsten Schuss geh ich raus, nachsehen!“, meinte ich. Dazu kam es nicht, da es bei drei blieb und es mir eh von meiner Mitbewohnerin verboten worden wäre. (Auch wenn ich ein Schisser bin, wollte ich mir die Schiesser angucken…die Neugier gewinnt doch manchmal über die Angst (das sind die Momente in Horrorfilmen, in denen man denkt: „Ey du Arsch, was guckt du jetzt nach, bleib im Versteck, du Depp“…splisch, splasch, splusch, alles voll Blut!)!)

Die Nacht ging aufregend weiter, denn die Kakerlaken-Situation spitzt sich zu. Die Fronten im Bad sind nicht klar verteilt, die 6-Beiner haben uns jetzt offiziell die Fehde erklärt! Sie treten zwar immer noch alleine aufs Schlachtfeld, (die Inversion wird allerding wohl nicht mehr allzu lange dauern),dafür werden ihre größten Krieger nun geschickt und diese lauern jetzt direkt VOR dem Klo, haben ihre Eckpositionen verlassen, um uns genau vor der Toilette, also unserm geplanten Zielort, abzupassen. Sie wissen um ihre perfekte Ausgangstellung, denn diese trifft uns zutiefst und zwar genau da, wo sie hinzielen: im „Ekelzentrum“ des Gehirns!

Mit der Taschenlampe bewaffnet, den auf den billigen „Ich-mach- das-Badezimmerlicht-an-und Du –findest-den-Weg-ins-Schlafzimmer“-Trick fall ich nicht mehr rein, schlich ich ins Bad. Ich leuchtete behutsam, mit pochendem Herzen, die Ecken ab…kein Feind in Sicht, erleichterndes Durchatmen. Nun leuchtete ich mir den Weg zur Toiletten, die zudem noch nicht „rattenfest“ (Klodeckel drauf, Waschzuber auf diesen gestellt) gemacht wurde, ich machte barfuß den einen Schritt (denn grösser ist die Nasszelle nicht) zum Klo, da…krawummmmm, saß der feindliche Badbesetzter und lächelte mich schief an. Was tun?? Kakerlaken sind schreckhaft, sagte ich mir, und meine Hauptaufgabe hier an der Front heißt: „Beschütze Deine Schlafstube!“. Mutig, wie eh und je (im Kopf hörte ich Menschenmassen schrein: „ Ey, du Arsch, was guckst du jetzt nach, bleib in deinem Versteck, du Depp!“) ging ich einen Schritt auf das umzingelte (ja, auch bei einer Kakerlake kann man durchaus von „Umzingeln“ sprechen!) Klosett zu, um dann kreidebleich festzustellen, dass sie dieses Mal einen wirklich gut ausgebildeten Soldaten ins Feld geschickt hatten. Der Streiter rührte sich nicht vom Fleck, mir kam es sogar vor, als ob er sich auf mich zu bewegte! Ein erneutes „Was tun?“ schwirrte durch mein Pazifisten-Hirn. „Mission erfüllen!“, war meine Antwort (und damit meinte ich beide Missionen: Toilettengang sowie Schlafzimmerverteidigung), denn „Nothing is stronger than the heart of a volunteer“ (sagte schon Alec Baldwin in „Pearl Harbour“ über seine Fliegergruppe, die sich Richtung Japan in Bewegung setzte) und führte dann, meinen in Gräuel durchdachten Plan aus.

Ich legte die Taschenlampe (voraus denkend, wie ich bin, nahm ich die Mag Lite mit ins Zentrum des Geschehens, die ich natürlich auf Grund des Gewichts und Größe NICHT wir geplant unter den Hals klemmen konnte, um die Tür anzuleuchten) mit dem Lichtstrahl gen Tür, auf den Boden, so war die Tür geschützt, keine Kakerlake, auch die durchtrainierteste nicht, würde durch das Licht gehen (wobei wir wieder bei einem Horrorstreifen sind: „Geh nicht in das Licht…hörst du, geh nicht in das Licht!“ „Poltergeist 1“, einer meiner Lieblingsgruselfilme, nur so am Rande)! Guter Plan!!! Da Einzige, was ich allerdings nicht durch dacht hatte war: jetzt sah ich den Feind nicht mehr, vielleicht lauert er noch vor der Schüssel und ich trete nackten Fußes darauf!!? Oder er springt mich, wenn ich grade am verletzbarsten bin, aus der Dunkelheit an!? Schnell nochmal die Lampe aufgehoben, Soldat gesucht, Soldat gefunden, Soldat bewegt sich Richtung Tür, Tür angestrahlt, alle Hemmungen überwunden, schnell den Toilettengang hinter mich gebracht, in der Hoffnung heil aus dieser Sache wieder rauszukommen, danach schnell aufgesprungen, Taschenlampe geschnappt, Tür auf, Tür zu…Mission Impossible erfolgreich abgeschlossen, das Schlafzimmer ist safe! Puh, was ein Kampf!

Dann konnte ich leider erst um 5 Uhr einschlafen, aber man kann ja nicht alles haben!

Morgens beim Frühstück erfuhr ich dann, dass es Silvester-Krache waren, die abgeschossen wurden. Und tatsächlich wegen den Eulen, da Eulen in Indien Unglück bedeuten (oh je, armes Athen, bzw. das erklärt einiges…!).

Nach dem Mittagessen dann fing er an: der gefühlt relaxeste Tag seit 5 Jahren!

Nachdem ich noch schnell ein Geschenk bei „Anokhi“ besorgt hatte (da fing es schon eigentlich schon an, denn die nette Dame am Tresen, gab ihn ihren Computer, der genaue Statistiken erfasst, anstatt 35-40 unter 30 an, auch wenn sie höchstwahrscheinlich nur vergessen hat, dieses Feld anzuklicken, es war eine wohltuende Bauchpinselei.)

Und dann schritt ich durch die Pforte des 4 Sterne Hotels „Ajit Bhawan“ (nach einer kurzen unfreundlichen Begrüßung vom Wächter am Tor, ob ICH denn überhaupt hier wohne würde). An der Rezeption sagte ich, dass ich gerne den Swimmingpool benutzen möchte. Durch Zufall, da ich mich in Deutschland erkundigt hatte, wusste ich, dass Voluntäre vom Trust nur 350 anstatt 570 RUP bezahlen müssen (aber Zufälle sind hier ja nicht zufällig!).

Tja, Ihr Lieben, wenn man hier untergebracht ist, dann glaube ich wohl, dass einem Indien gefällt! Nette Anlage! Am Pool wurde mir, nachdem ich meinen Passierschein abgegeben hatte, ein Handtuch hingelegt und zuerst hatte ich die ganze Pool-Area  für mich. Dann glitt ich ins Wasser…ich kann gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl war… nach knapp 2, 5 Monaten, nach Temperatuten von über 40 Grad, nach dem Monsun, nach Stress und Anspannung …ich hätt heulen können im Pool, so toll war das! Wie hab ich den Tag genossen! Ich schwamm, lies mich auf der Liege trocknen, schwamm, genoss einen Cold-Coffee mit Vanilleeis, schwamm, ging auf der Liege Tagträumen nach, aaaaacchhhhh…

Um 18 Uhr verließ ich vollkommen entspannt das Hotel und lief Richtung Guesthouse. Ich war so locker, dass ich dem LKW-Fahrer, der genau hinter mit eine halbe Minute auf seine Hupe eindrosch, dass ich dachte jetzt ist das Trommelfell durch, nicht auf die Fresse schlug. Der kann froh sein, dass ich vorher im Spa war, andererseits wäre ich, angesichts dieser Grobheit nicht mehr zu halten gewesen (die Ohren tun mir immer noch weh).

Im Guesthouse wurde gleich bemerkt, wie entspannt ich aussehe, nun hoffe ich auf eine ebenso entspannte Nacht, schlaft gut!

 

Ausgepowert…!

Wieder eine Nacht ohne richtigen Schlaf. Da scheint was auf dem Guesthouse zu liegen, denn es geht allen so (oder der indische Aberglaube, Eulen auf dem Dach bedeuten nichts Gute stimmt?!)! Realistische Träume von drei der Babys. Um jedes hab ich mich eine halbe Stunde echt Zeit gekümmert. Das war alles so real, daß die Erholung ausblieb. Dann auf dem Klo, das war dann in der realen, echten Realität, hat mal wieder eine Kakerlake, diesmal allerdings nur eine junge Verwandte, auf mich gewartet. Das Küchenschaben eine Lichtphobie haben, war mir, wahrscheinlich weil ich immer im Halbschlaf war, noch nicht so aufgefallen, als diese jedoch schnurstracks Richtung Schlafzimmer lief, fasste ich den Entschluss: nur noch mit Taschenlampe ins Bad (und den Koffer gründlich nach Kakerlaken-Eiern durchsuchen, bevor es nach Deutschland geht)!

Die Privat-Yoga-Stunden erfreuen mich stets aufs Neue, wer bekommt die schon (außer Stars, aber die zählen nicht)! Allerdings muss ich mich am Ende immer zusammen reißen nicht zu lachen, wenn er meint: „Jetzt genieße die Ruhe um dich rum!“ und zur gleichen Zeit Geräusche zu hören sind, als wäre der 3. Weltkrieg ausgebrochen. Dafür muss ich noch viiiiel meditieren. Indien ist einfach das lauteste Land was ich kenne!!

Alter Schwede, was bin ich müde…Kati geht es auch so. Wir sind von irgendwas aufgewühlt, doch beide wissen wir nicht wovon und das macht rastlos…und müde, da keinen Schlaf!

Eben haben wir die „Präsentation“ für die Kleinen vorbereiten. Wir wollen ihnen an Hand einfacher Zeichnungen (was anderes bekomm ich auch nicht hin) den Weg der Voluntäre zeigen. Erst kommen wir, dann nähern wir uns an, dann spielen wir gemeinsam und wenn wir uns am Ende trennen, hat jeder von uns 15 Kinder im Herzen, trägt diese weiter mit sich rum und das verbindet ein Leben lang. Ich weiß nicht mehr genau bei welchem Bild, aber bei einem saßen Kati und ich uns auf einmal flennend gegenüber…na das kann ja ne heitere Vorführung werden… Wir haben sie jetzt für Samstag geplant, da wir am Montag hoffentlich Verstärkung bekommen!

Der Unterricht ist einfach nur anstrengend! Keine Szene wir ohne Gelächter durchgezogen, viel gar nicht ausprobiert, bzw. sich verweigert und ansonsten kopiert (wie alle jetzt ja schon wissen: das können sie gut!). Morgen muss einfach mal ein Machtwort gesprochen werden, weil so kommen wir zu keinem Ergebnis!

Im Boarding House ein Schock nach dem anderen… Nachdem ich mit Nisha und ihrer Cousine Lalita für Englisch gelernt habe, kommt auf einmal Aasu an, beugt sich über meinen Kopf und holt was aus meinem Haar, sagt so was wie „Ihh“ und schnickt es weg. Auf die folgenden Hausaufgaben konnte ich mich nun nicht mehr konzentrieren! Ich ging zu Nisha (ihr vertraue ich in ehrlichen Aussagen) , neigte meinen Kopf und bat sie auf Läusesuche zu gehen. Ein Griff und sie hatte was kleines Schwarze zwischen ihren Fingern. „Baby-Lice“, sagte sie. „Oh nein!“, entfuhr es mir, worauf sie sich meiner gesammelten Kopfhaut annahm und auf die Suche ging. „Das war´s, mehr nicht!“, was mich allerdings nicht sonderlich beruhigte! Zuhause lies ich Kati nochmal ran, die glücklicherweise auch nichts fand. Aber ich vertraue nur dem Läuse-Shampoo, was dann auch tonnenweise meine Haare aufschäumen durfe! (Zur Beruhigung essen ich jetzt Gummibärchen. Nur zur Beruhigung!)Später wurde mir noch von einem der ach so süssen Babys gesagt, ich hätte Mundgeruch, da war ich umso froher als Guino endlich kam! Also für morgen mit Badehaube und Mundschutz präparieren!

Beim Abendessen habe ich unserer kolumbianischen Reisenden, die seit ein paar Tagen im Guesthouse ist, ihr in kleinste Einheiten gehortetes Euro-Kleingeld in Rupees getauscht. Ich bin ja nicht so und wer weiß von welcher Plantage mit welchem Anbau sie kommt, da muss man schon mal auf der Hut ein…

Wir haben eben, nach einer kurzen Roof-Verschnaufpause im Hof Fares getroffen. Er hat gefragt, ob wir morgen mit ihm ins Kino gehen. Und dann hat er erzählt, dass er ja jetzt keine Freunde mehr hat und mit den anderen Voluntären allen nicht ausskommt. Nur mit uns. Also gehen wir morgen mit unserm neuen Freund Fares ins Kino…Sachen gibt´s…

Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu gehen…

 

Die Zeit eilt mir davon…

Die Nächte sind hier eher dösig, aber wenn man sich damit abgefunden hat nicht von einer Tiefschlafphase in die andere zu fallen, dann kann man entspannen.

 Mein Yoga-Lehrer (shame on me…wie heißt er denn?) hat gesagt, ich sollte in Mumbai eine Yoga –Lehrer-Ausbildung machen, ich wäre sehr dafür geeignet. Da das jetzt schon der 2. Yoga-Dozent war, der das sagte, mach ich mir mal Gedanken darüber…(Die Ausbildung in Mumbai für 2 Monate wäre insgesamt trotz Flug günstiger als in Deutschland. Und „ausgebildet“ in Indien macht schon was her! Für irgendwas muss dieses Land ja gut sein…Computer-Inder nicht zu vergessen!).

Upps, A.-G. (die wirklich ganz herzlich und super-nett ist!!! So kann der erste Eindruck täuschen…) wollte sich eben von Bundi zu einem ATM fahren lassen, doch der hat nur sein Motorrad hier. Sie wollte das nicht auf dem Ding, dann kam ich dazu und sagte, dass das wirklich Spaß mache, dann kam G.-G. dazu und sagte das es wirklich Spaß mache, das war wohl einmal Spaß zuviel, denn plötzlich, schrie A.-G.: „Ei um Goddes Wille, isch will das net!“. Natürlich hat es G.-G. gleich persönlich genommen. Ich hab mich bei A.-G. dann entschuldigt, denn eigentlich war ich ja Schuld und alles war wieder o.k….upps!

 Kati ist mit Poocha jetzt beim Augenarzt. Ich wird dann mal Unterricht vorbereiten, falls Kati es nicht rechtzeitig zurück schafft. Sie hat zwar einen Termin, aber man weiß ja nie…

 Eben kam sie wieder. Chaos im Boarding-House! Vivendra, von dem wir bis jetzt annahmen er sei der einzig vernünftige Mann in Jodhpur (außer Bundi) hat uns, leider mal wieder, das Gegenteil bewiesen. Er hat natürlich nicht seiner Frau Bescheid gesagt, das heißt, weder war Poocha zuhause, noch hatte Nyrmella Zeit mitzugehen! Dann wurde Poocha erst mal aus der Schule geholt, die Schwiegermutter aktiviert und dann ging es zum Arzt. Warum reden die Männer überhaupt nicht mit ihren Frauen? Warum dürfen Frauen von vermeintlich liberal eingestellten Männern nur verschleiert raus und weder mit Freundinnen ins Kino noch ins Restaurant? Und warum nehmen diese freigeistlichen Männer ihre Ehefrauen dann nicht mit, wenn diese schon nicht alleine dürfen? Fragen über Fragen, die eigentlich nur eine Antwort zulassen: alle verlogen hier!!!

 So, die Aufwärmübungen machte ich alleine, dann gesellte sich Kati dazu. Zwischendurch glänzten sie, dann ließ leider der Glanz nach und wurde etwas drüb… Wir stellten Szenen zwischen Dalits und höheren Kasten und es war ehr interessant! Die Mädels prügeln sich tatsächlich wegen unterschiedlichen Kasten und das nicht unoft (um mal ein weiteres, wichtiges Wort , welches viel zu selten gebraucht wird zu benutzen!).

 Nach dem Unterricht fand ich vor meiner, äh, unserer Haustür, wieder falsch, Zimmertür, naja, Kabufftür, ein Päckchen!!! Mein geliebter Mann hat alles was Frau so braucht zu mir nach Indien geschickt. Und es hat nur ca. 1 Woche gedauert! Wahrscheinlich nehm ich von der ganzen Schokolade, die verlorenen Kilos wieder zu, aber Toffifee müssen in einem gegessen werden, die schmelzen ja auch so schnell! Da Kati wegen Allergie nicht mitessen darf, musste ich armes Ding die ganze Packung alleine aufessen, gut, die Küchenjungen haben jeweils 2 bekommen. Und das Beste daran: ich hab noch eine Packung, jipeidi und jipeidu, die Schokolad war weg im Nu…

 Aber vor der Fressaktion waren wir noch im Boarding House (dort ist übrigens der Verzehr von Süßem seit dem letzten Zahnarztbesuch verpönt, also kann ich dahin auch nix mitbringen…ach schaun, mer mal, vielleicht ein paar Gummibärchen, ich bin ja jetzt der Chef, hä, hä!?). Es wurde sich beschwert, dass sich alle beide Voluntäre, also Kati und ich, wer zählen kann, sich „immer nur“ um die Zweitklässler kümmern würden. Tja, die haben allerding auch immer Tests und mit denen muss gelernt werden…Gut, heute sollte es anders laufen und das ging natürlich voll in die Hose! „Meine“ Kinder waren nämlich mit den Hausaufgaben fertig und hatten keine Tests und mussten nix lernen. So haben wir beschlossen zu malen, bzw. mit buntem Papier zu basteln. Nur leider laufen alle Babys immer und überall durcheinander und so bekam die 2. Klasse natürlich spitz, dass bei mir gebastelt wurde. Tja, soviel dann zum Lernen… Ein Chaoshaufen für Zwei! Immer und überall: „Kati!“, „Ankel!“, guck, hier, schau dort, hilf jenen, bewundre jenes, zähl die Sprünge mit dem Seil dort drüben, falte Blätter mit der anderen…puh! (Samta hat sich doch tatsächlich auf meinen Schoß gelegt und ist nicht wieder aufgestanden…)

Die Küchenjungen haben sich sehr über die Schokolade gefreut und vielleicht hat die Bestechung bei dem einen, Babu, ja geholfen und er ist nicht mehr so frech…ansonsten kriegt er von der zweiten Packung nix, aber auch nicht mal eins ab, das hat er dann davon. Wenn ich schon im Boarding House nicht durchgreifen kann, dann wenigstens im Guesthouse!

 Die Tage wiesen, äh, rasen. Schon wieder Abend. Langsam kommt Panik auf. Schaffen wir eine 2. Vorstellung, dann müssen wir die Lehrer noch wegen Licht und Musik des 1. Stück instruieren, die Boarding House Kinder sollen noch unseren Workshop wegen den wechselnden Voluntären bekommen, wir müssen noch Bilder als Geschenke ausdrucken lassen, dann fehlen noch Mitbringsel und weder der Palast, noch der große Park am See wurde besucht, ich will für die Mädchen oben eine Abschiedspräsentation über mein Leben in Deutschland vorbereiten, etc., ääääähhhhhhh, wo ist die Zeit geblieben?!?!? Auch Fares meinte heute zu mir, dass ich ja bald schon wieder fahre…

 Ja, bald bin ich wieder zuhause…Darauf eine gute Nacht!

 (Wurde eben von einer Ameise angegriffen! Entwarnung: Ich lebe noch!)