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Anke Pfletschinger

Time to say Goodbye!

Ich hatte mir in dem Hotel-Lounge-Zimmer einen Milked-Coffee bestellt. Es kam ein Cappuccino und…alter Schwede, war der geil!! Ein richtig leckerer Cappuccino nach 3 Monaten, der zerging förmlich auf der Zunge! Und es wurde noch besser! Ich stellte mich unter die Dusche und es war eine, im Gegensatz zu der Guesthouse-Dusche, die am Schluss ja gar nicht mehr funktionierte und man den Kakerlaken-Fang-Becher zum Wasserbenetzen brauchte, mit intaktem riesen Duschkopf, eine richtiger Strahl, der da raus kam…und er war warm!!! Was ein Genuss, die erste richtige, warme Dusche nach Monaten…ich wollte gar nicht mehr unter dieser raus kommen!

Nach 6 Stunden war der Traum leider vorbei und ich musste raus (aus dem Zimmer, die Dusche habe ich nicht solange okkupiert).

Naja, waren ja dann nur noch 6 weitere, da ich erste Stunde wartend und laufend und suchend in dem Arrivalbereich verbrachte. Nachdem ich dann endlich durch die Sicherheitszone durfte (der Typ an dem Ausreiseschalter: „You did a movie in India?“, „No, I work as a volunteer. Theater-work. But I would love to do a movie here!“, “O.k. Next time in India, you do movie! Goodbye!”) vorbei an Flughafenangestellten, die in Mülleimer rotzten (ob sie wohl den Eimer für Recylebares benutzt haben?), habe ich nach einem kleinen Snack, den ich gegessen habe, den wohl unchaiischten Chai-Tee Indiens getrunken! Sie brachten mir irgendeinen Tee mit irgendwelchen Gewürzen und warme Milch, um diese reinzumischen…dabei weiß doch jeder Inder, ich mal eingeschlossen, das ein Chai MIT der Milch gekocht werden muss und mindestens 3 mal aufkochen muss…Mensch, Mensch, Mensch, Leute, Leute , Leute…

Irgendwann gingen auch diese Stunden vorbei (NUR zur Erinnerung: 13) und ich saß, allerdings 1 Stunde später als geplant im Flieger. Etwas grummelig sah ich auf die Uhr, da meine Anschlusszeit in Frankfurt sehr knapp, nämlich: 1 Stunde war. Und dann kam auch nicht die Durchsage des Kapitäns, dass wir noch nicht starten können, da Usbekistan den Überflug verweigerte…yeah, yeah, yeah… Doch dann entschied der Pilot einfach mal zu starten und spontan über eine neue Flugroute nachzudenken, was mir sehr entgegen kam!

 Dann ging es los…und endete nach über 8 Stunden in Frankfurt: Baby-und Kindergebrüll. Am Stück schrien sich 2 Winzmenschen im gegenseitigen Battle sich die Stimme aus dem Leib! Es war schrecklich, ich bin nicht zum Schlafen gekommen! Dank leichter Medikation bin ich nicht ausgerastet, aber kurz vorm Gewalttätigwerden war ich schon…natürlich nicht gegen die Babys, aber die Mütter wären nicht davon gekommen. Auch wenn ich mir jetzt den Hass aller Eltern zuziehe (ist ja eh mein letzter Blogeintrag, da kann ich mal ein wenig provozieren), es gibt doch sicher Vorkehrungen um den Kleinen den Flug erträglicher zu machen (und allen anderen Fluggästen), irgendwelche leichte Beruhigungsmittel (war da nicht was mit Schnuller in Wiskey tauchen…o.k., lassen wir da) wird es doch geben, so war es doch auch für die Schreihälse eine stundenlange Tortur!!

In Frankfurt sollten wir eigentlich im Bereich A landen, da sollte auch mein letzter Flieger, der nach Hamburg starten. Wir holten eine halbe Stunde auf, so war es zwar möglich den Flug zu bekommen, aber fraglich, ob ich es auch wirklich schaffe! Wir landeten allerdings im Bereich B und das ziemlich hinten und mein Anschlußflug wurde auch verlegt, und dass natürlich nicht auf ein näheres gate, sondern von A13 nach A23 also ein weiterer lustiger, freudiger Weg. Noch dazu kam, dass überall Bereich A ausgeschildert war, wa mich völlig irritierte und ich irgendeinen der angezeigten Wege langging und ich sicher die bekannteste Route, um zu meinem Zielgate zu kommen, genommen habe. An der erneuten Sicherheitskontrolle war ich diejenige, die diese fast verlor. Ich wurde richtig pampig, als ich auch noch meinen Schal ausziehen sollte. „Meinen Schal, wieso das denn?“ und als ich den Trolly nicht einfach so aufs Band, sondern ebenfalls in eine Kiste packen sollte, meinte ich nur „So ein Schwachsinn!“. Trotzdem liesen sie mich durch und total nassgeschwitzt und in der festen Annahme „Die nehmen mich nicht mehr mit!“ kam ich keuchend und zitternd am Gate, an dem der Flug schon nicht mehr angezeigt war, an. Doch sie machten eine Ausnahme und da der Economy-Eingang schon zu war, enterte ich vorne in der Business-Class den Flieger und das ganze Flugzeug durfte an meinem Odeur ala „Alter Schwede, was für ein atem(be)raubender Gestank!“ teilhaben. Ich versuchte mich so wenig wie möglich zu bewegen und meine Arme zu heben, war nicht immer möglich und ich wusste: „Wenn man sich schon selber riecht, dann ist es besonders schlimm!“

 Und dann war ich da (das ich nicht Rosengleich duftete wurde mir von meinem Mann ziemlich schnell bestätigt). Weinend vor Freude lag ich in seinen, Blumen haltenden, Armen und fühlte mich gleich zuhause und richtig! Richtig, hier gehör ich hin! Richtig, ich liebe die Jahreszeiten! Richtig, ich liebe die Farbe Grau…jawohl und Winderklamotten! Und, richtig, ich kann wieder Menschen angucken, ohne gleich Hintergedanken angedreht zu bekommen.

Ihr Lieben, meine Zeit als Voluntär ist vorüber! Ich würde es jeder Zeit wieder machen! Wie stark und beeinflussend die Eindrücke waren, muss ich den meisten ja nicht erzählen…

Die wunderbaren Menschen, die ich getroffen habe, werden immer einen Platz in meinem Herzen haben und wer weiß eines Tages…

 Ich danke Euch, dass ich immer treu an meiner Seite wart, das hat mir oft Kraft gegeben und ließ mich nie alleine fühlen!

 Die liebgewonnene Angewohnheit des Blog-Scheibens wird mir schwer fallen, aber alles hat ein Ende (nur die Wurst hat zwei…tatatahhaahaakaklllaalalala)…

 Ein letztes Mal: Namaste und lasst es Euch gut gehen!

 

Volunteer of the month

Tja, die erste Nacht alleine nach so langer Zeit war echt komisch! Vor allem die Sinnlos-Gespräche vorm Einschlafen haben mir gefehlt! Aber damit ich nicht ganz alleine bin, hat sich die, ohne Übertreibung, größte Kakerlake Rajasthans mit mir das Bad geteilt. Dieses Monster war über 7 cm lang und an die 3 cm breit…mir der habe ich mich nicht angelegt (sie gehörte auch eher zu der gediegenen Sorte. Angriffslustig ist was anderes!)!

In Windeseile, so schnell konnt ich gar nicht schaun, war übrigens mein großes Bett mit Klamotten, Büchern, Scheißdreck (nicht wörtlich nehmen!) voll, so dass ich auf Katis Kleines ausweichen musste…ärgerlicherweise wird diese Matratze nun gebraucht, so dass ich doch noch aufräumen und auch wieder umziehen muss, grummel…

 Ich habe das Gruppen-Meeting geschwänzt…erstens hat ich keinen Bock und zweitens war die Idee gestern draußen zu essen (es ist echt frisch, das waren nie, nie, nie 28 Grad! (Wie wird es mir nur in Deutschland ergehen?)) und danach im vollgerauchten Club zu tanzen, um danach durchgeschwitzt die 15 Minuten nach Hause zu gehen, doch nicht eine meiner Brillantesten…wer hätte das geahnt? Mir geht es auch jeden Fall nicht ganz soooo gut und meine Prioritäten liegen jetzt ganz klar auf dem Boarding-House und den Mädels oben (nicht zu vergessen, die 13 Stunden auf dem Flughafen in Delhi!).

Es gab wohl beim Meeting Applaus für Katis und meine Arbeit…schön (Mist, vielleicht hätt ich doch anwesend ein sollen? Nee! Oder doch? Egal, ist zu spät! Nee, es wär mir echt zu viel gewesen!! Den Applaus können sie ja nochmal wiederholen!).

 Dem Fort-Festival werde ich heute wohl auch fern bleiben…ist eh zu teuer und ich muss sparen, um 13 STUNDEN am Flughafen und/oder Delhi und/oder wie auch immer um zukriegen!!

Was ich an Amy am liebsten mag, abgesehen von ihrem geilen englischen Humor, ist ihre Aussprache! „Munday, but (äh, gut, hier mag man keinen Unterscheid sehen…also: sie spricht das „u“ wie ein „u“), muney (statt „money“)“ etc. Heute Morgen sprach sie von den „Munkeys“ in Rajasthan, besonders denen im Affen-Tempel. L.-G. meinte ständig: „No, I saw no monkey in Rajatshan!“. So ging es hin und her, jeder wollte Recht haben. Ich erklärte ihnen, smart wie ich bin, dass sie natürlich auf keinen Nenner kommen können, denn L.-G. reden von „Monkeys, während Amy „Munkeys“ meint…mit einem Knuff in die Seite wurde ich ruhig gestellt. Ich liebe ihren Akzent!

Im Boarding-House waren die Mädels wie ausgewechselt! Nach ein paar Maleinheiten klebten Nisha und Reekha (wie immer) an mir, aber die letzte Stunde waren die Mädels und ich alleine und wir hatten so viel Spass! Wir alberten rum und schnitten Grimassen und ich merkte erneut, dass Sprache keine Barriere sein muß! Ich werde sie sehr vermissten, aber ich habe da so ein Gefühl, als ob sie am Montag nicht das letzte Mal sehen werde!!

 Bevor ich es vergesse: Kati und ich wurden als die „Volunteers of the Month“ geehrt…

Ich muss mich verbessern, bzw. einen Titel ergänzen! Ich hörte wir wurden „Best Volunteers“ gekürt…hüstel, hüstel, hüstel…kotz…

Die anderen sind nun alle auf dem Fort, ich hab noch Kopfschmerzen, vielleicht geh ich morgen, aber ich denke ich spare eher mein „Muney“ für schöne Sachen am und im und rundherum des Airports…13 Stunden muss mal erst mal rum kriegen…ich glaube, dies hab ich schon erwähnt…Man muss verzeihen, mein Kopf (und hiermit meine ich KopfSCHMERZEN und nicht Kopfhohlichkeit!!!)

 Draußen vor der Tür wird rum geschrien…Die Schweizerin und Bundi, es ist allerdings nicht festzustellen, ob es ein Streit oder eine normale Konversation ist.

 Ich liege vollgefressen im Bett und bin heilfroh nicht mehr raus zu müssen! Ventilator an oder aus, das ist die Frage! Mit ist es zu kühl, ohne schwitz ich mir einen ab…ich glaube Erfrieren siegt über Erschwitzen!

Morgen der letzte Sonntag und noch keinen Plan was ich mache, ich lasse es einfach mal auf mich zukommen! Eigentlich ganz schön so frei zu sein!

Die Yogastunde am Dienstag musste ich leider absagen, da ich so früh fliege. Doof, ich hatte ja schon Donnerstag und Freitag wegen Unwohlsein nicht yogiert… wenigstens hab ich die Übungen alle schriftlich festgehalten, so dass ich sie zuhause machen kann (hem, hem)…

 Ich ende mit einem herzlichen: genießt den Samstag-Abend, haut rein!!

 

(Große) Enttäuschung und (kleine) Magie…

Die Schnulze hat gestern gewonnen. Sie war so fesselnd, dass ich ganz das Filmschauen vergas. Irgendwann schlief ich ein…

 Um 5 Uhr wurde ich durch Gebrüll und Rumgerenne geweckt! Daß der gemeine Inder an sich nicht unbedingt sehr emphatisch ist (vor allem in Rajasthan) konnte ich ja schon des Öfteren beobachten. Doch wenn er jemanden gefunden hat, der unter seinem Stand/Kaste/Familie ist, dann wird es umso schlimmer. Wie z.B. die grandiose Familie, die in der „Suite“ untergekommen ist. Da sie um fünf Uhr abreisten und seltsamer Weise die Küche um diese Zeit, doch noch nicht besetzt war, schrie der Vater durchs ganze Guesthouse nach einem der Küchenjungen. Dabei rüttelte er wohl auch an der einen oder anderen Voluntärstür und schrie in deren Zimmer rein. Er scheuchte den armen Babu auf und, daß er dabei das ganze Gästehaus noch weckte störte ihn wenig, schließlich ginge seine Familie vor.

 Ich finde es wirklich sehr schade, aber die „Magie“ des Landes ist und bleibt mir unverständlich. Ich seh vor allem Ratten (ein Glück, diese noch nicht im Zimmer) und anderes Ungeziefer, Schmutz, Diskriminierung, Egoismus…Vielleicht geschieht heut Abend im Tempel ja noch ein Wunder und ich werde erleuchtet!?

 Unsere A.-G., die eigentlich 6 Monate bleiben wollte, hat nun nach 2 die Fahnen gestrichen (falls das überhaupt so heißt!?)und gibt auf! Sie sieht auch wirklich schlecht aus…alter Schwede!

 Hätte ich den Blog nicht „Öfter mal was Neues“ genannt, dann hätte ich ihn heute so umbenannt (ich glaube so was ähnliche hab ich schon mal von mir gegeben…aber hier ist der Titel tägliches Programm!) (mal wieder bin ich mir nicht sicher, ob ich die richtige, also meine Flasche mit von den Unterrichträumen mitgebracht habe. Die „Falsche“ wäre eine mit Leitungswasser, was für meinen europäischen Magen eine durchschlagende Wirkung bedeuten könnte…und auf die letzten Tage probiert ich das mal lieber nicht aus!!!)! Kurz zur Erinnerung: am Donnerstag ist Premiere, da am Mittwoch Feiertag ist. Die Mädchen sind unkonzentriert und lachen. Wir haben noch keine Szene von Anfang bis Ende ohne irgendeine Unterbrechung durch spielen können. Kati und ich haben den von ihr erdachten Anfang und Schluß vorbereitet, sind vollbepackt mit Requisiten zur ersten Proben nach oben marschiert um…NICHTS vorzufinden…Kein einziger Schüler war anwesend!!! Wir hörten schon, dass heute wohl wieder ein Feiertag ist, aus diesem Grunde fragten wir mindestens 7 Mal, also seit einer Woche, ob sie da sind. Das letzte dann tatsächlich am Samstag und: „Ja, klar, wir sind da!“. Da die Wirklichkeit anders aussieht, sind wir doch nicht nur enttäuscht, sondern auch sauer und die Lust hält sich, wie man sich vorstellen kann, nun in Grenzen. Kati hat Fares schon gesagt, dass das neue Stück in keinster Weise an das Alte ran reichen wird (wie denn auch bei den ganzen Voraussetzungen!).

 Tja, so ist der Vormittag frei. Eigentlich ja schön, aber für das Stück echt scheiße!!! Scheiße…

 Ich glaube, ich nehme das Dach nun für eine Meditationsstunde ein…

 Es wurde eher eine Meditationsviertelstunde…aber besser als nix!

 Dann Mittagessen und später, bei einer schönen Tasse Kaffee und Schnulzenroman auf einem der indischen Möbel platziert (seit die Touristenmeute weg ist, gibt es ja wieder Sitzgelegenheiten), mit K.-G. geschnackt, mit Amy den Bericht über das Boarding-House (den sie jetzt schreibt, denn ich hab mich geweigert!) durchgegangen und die freie Zeit genossen.

 Dann fragte Fares, ob wir am Abend für ein kurze Teammeeting Zeit hätten oder ob wir was vorhätten. Daß es keine ernstgemeinte Frage war, erkannten wir daran, da er, als wir sagten, wir gehen in den Tempel und haben deshalb keine Zeit, sehr bescheiden guckte. „Ach so…äh…na dann…schade!“ Pech gehabt! Es wäre ja auch mal schön solche Dinge nicht zwischen Tür und Angel zu erfahren! Dann soll es morgen stattfinden…gähn…

 Eine neue Voluntärin, Jule, deutsch wie fast alle und süße 21 ist heute angereist. Sie ist für „Sisters for sisters“ vorgesehen.

 Bei den Mädels war es heute am Anfang echt komisch. Sie hatten frei und waren grade aus dem Mittagsschlaf erwacht. Außerdem schauten sie uns ganz vorwurfsvoll an. Mit der Zeit gab sich das wieder…Nisha war anhänglicher der ja (ich glaube einige haben auch Angst in den Diwali-Ferien, die bald kommen, nach Hause zu fahren) und selbst Prinkha und Nakthu waren am Schluß Klammeraffen…

Und, ja, vielleicht hab ich gestern was von der „Magie“ des Lande gespürt…!?! Das Fest war toll!!! Ein riesen Platz mit Bühne in der Mitte auf der die VIP´s saßen (wir wurden natürlich auch gleich hingeführt und sie konnten gar nicht verstehen, dass wir lieber beim Volk standen als da oben auf den Stühlen). Innerhalb 5 Minuten, ohne zu wissen was mir geschah, nach mich ein Mann an die Hand und schon stand ich in einem der vielen Tanzkreise auf diesem Gelände und bewegte die Arme und Hüften mit 7 anderen Männern und Frauen im Takt. Es war Wahnsinn (ausnahmsweise mal positiver Wahnsinn!). Die riesen Fläche rund um die Bühne war eine Tanzende…überall wurden Stöcke gewirbelt und gegen einander gehauen oder Menschen tanzten in Kreisen, es war bunt, wild, laut und ich mitten drin! Es blieb nicht mein einziger Tanz und strahlend ging es dann leider schon um 22 Uhr (diese Veranstaltungen sind sehr Arbeitnehmer freundlich) nach Hause ins Guesthouse.

 Die Nacht, die mir einiges zu sagen hatte…von der erzähl ich später!

 

Der vorletzte Sonntag…

Wieder einmal lag ich mit meiner Einschätzung falsch, denn es waren nicht die Touristen, die um 7:15h aufstanden, die störten, sondern die Voluntäre, die sich kurze Zeit später laut schreiend über den ganzen Tisch unterhielten…8 Mann, bzw. Frau waren dreimal so laut wie 18…vielen Dank, vor allem, weil Ihr ja wissen müsstet, dass Ihr Eure Kollegen weckt!?!

 Als ich um 9:45 zum Frühstück erschien war allgemeine Aufbruchsstimmung, was mich nicht sonderlich tangierte. Das Ziel: der Swimming-Pool… Hätte ich doch nur mein Maul gehalten und nichts von diesem und dem Sonderpreis erzählt!!! So bleibt mein einmaliger Ausflug dahin auch einmalig, weil das tu ich mir nicht an…der ganze Sinn der Abhau-Aktion ist ja voll ad absurdum geführt…aber wirklich jetzt…!

Aber so ist das Guesthouse wenigstens schön ruhig und ich hatte ein nettes Frühstück plus zweiten Kaffee mit der anderen Heidi (sehr coole Frau aus Heidelberg), K.-G., die ich langsam richtig mag und meiner lieben Mitbewohnerin.

 Vor dem hetzigen Abmarsch musste ich noch mal schmunzelnd feststellen, wie es doch mit der Allgemeinbildung der US-Bürger steht. Kenia, die gebürtig aus der Dominikanischen Republik stammt und mit ihren Eltern im Alter von 14 Jahren in die Staaten gezogen ist, erklärt uns jeden Scheiß, als ob wir nicht alle Tassen im Schrank hätten.

 Das sie aus der Domrep (gut „Domrep“ hat sie jetzt nicht gesagt) käme und diese liege in der Karibik. Aha! Und die Karibik liege südlich der USA. Aha!! Und die Dominikanische Republik wäre eine Insel. Aha!!! Und die andere Hälfte ist Haiti. Gut, da weiß vielleicht nicht jeder, aber…ich…hüstel, hüst… (also ein kleines „aha“!). Heute Morgen erklärte sie, dass es in den USA so viele mexikanische illegale Einwanderer geben würde (das „Aha“ wir wieder größer!), da Mexiko an die Staaten angrenzt. Nun aber wieder ein riesen „AHA!“!

Nach dem späten Frühstück ein frühes Mittagessen. Große Vorfreude auf meine vorgestern gekauft Dose Cola light, die im Kühlschrank auf mich wartete; was mit Geschmack, dass brauchte ich jetzt. Was nun kommt, könnt Ihr sicher ahnen…meine Cola war WEG!!! Es wird seit, dass ich wieder heim komm, da klaut mir niemand meine Cola (außer vielleicht mein Ehemann…aber das bleibt ja in der Familie). Stocksauer aß ich das vegetarische Essen und schwor mir: die nächste Cola, die ich hier im Guesthouse trinke, die bezahl ich nicht…das haben sie jetzt davon!

 Beim Frühstück erzählte ich übrigens, dass ich mich hier nicht wieder erkenne. Warum, fragte Heidi. Weil ich zuhause viel lache, viel rede, die letzte bin die nach Hause geht, positiv drauf bin, anders einfach. Da ich von K.-G. sowie von Heidi nach dieser Antwort wie ein Auto angeguckt wurde, war mir nun vollkommen klar: sie erkennen mich auch nicht wieder…Zeit heim zu fahren (falls ich das noch nicht erwähnt habe!?)

 Nach dem Mittag bin ich mit Kati zum Clocktower gefahren. Wir haben einen Fotoladen gesucht, um die Fotos für die Theatermädchen, sowie die Babys auszudrucken. Leider haben wir vergeblich gesucht…dafür fand ich einen Buchladen in dem ich indische Ausmalbücher für die Kleinen gefunden habe. Dann haben sich unsere Wege getrennt. Kati rennt sicher wieder bis heut Abend durch die Stadt. Ich bin durch ein paar Gassen geschlendert (eigentlich hatte ich vor zu fotografieren, aber gucken fand ich dann viel spannender), dann mit dem Tuk Tuk zur Blue-City-Mall, wo ich feststellen musste, dass es dort weder Papier noch Fotoalben und schon gar keine Cola light gab. Mit Toilettenpapier und Bindis für die Theatergruppe bin ich dann zurück geschlendert. Auf halber Strecke hielt einer unserer Rikscha-Fahrer von der Ecke an. Er hatte mich schon von hinten erkannt. Er wollte mich tatsächlich ohne bezahlen zu müssen ins Guesthouse fahren. Mir tat die Bewegung aber gut, so lehnte ich ab und ging weiter längs meines Weges.

In der Unterkunft angekommen die Ernüchterung! Die Terroristen (ja, dieses Wort ist extra so gewählt) hängen ÜBERALL rum! Vorne belegen sie alle Bänke, vor meiner Haustür sitzen sie am Tisch, im Zwischenstock hocken sie und auf dem Dach kauern sie ebenfalls rum. Nirgends kann man hin und hat seine Ruhe.

Also sitze ich im Zimmer, höre unwillig den dummen Gesprächen zu und hoffe, meine, nun extra verpackte Cola, wird nicht wieder entwendet! Vielleicht bestell ich mir einfach mal nen Kaffee…mal in mich gehen…ohmmmmm…..

Tja, das mit dem Kaffee kann ich wohl auch vergessen, da die eingefallene Bande die Küchenjungen mit 1000 Sonderwünschen in Trapp hält!

Habe mich dann doch getraut! Und den Sonntagnachmittag mit einem Kaffee und einem Liebes-Schund-Roman (danke Papa, so leichte Kost ist genau das was ich jetzt brauche!) verbracht!

 Dann habe ich versucht chemische Kugeln fürs Bad zu bekommen, doch die sind wohl aus…die Würmer kommen wieder aus ihren Löchern!

Die Belagerer sind weg…welch eine Ruhe ist eingekehrt…wunderbar!!

Mit Kati hatte ich recht: es ist stockdunkel (Winter ist eingekehrt) und halb sieben und sie immer noch unterwegs…wie gut, dass wir uns getrennt haben!!

 Amy hat ihre tägliche Visite in unserem Zimmer abgehalten. Sie geht heut Abend essen…ich nicht. Wäre vielleicht noch auf ein Bier vorbei mit Heidi, aber al diese nach dem Abendessen absagte war ich auch nicht allzu böse… Jetzt noch ein wenig Schnulze lesen, dann ein bißchen Film und dann (hoffentlich) genug schlafen!

 Bis denne…

 

Noch 10 Tage…

Die Nacht war lang und schön, bis ich durch Krämpfe geweckt wurde…Monatsbeschwerden…jut, so isses nun ma! Da es leider erst 7 Uhr war und ich danach auch nicht mehr einschlafen konnte, war es das also mit dem Ausschlafen. (Aber morgen hab ich ja noch mal eine Chance!)

Ich glaube, die anderen Voluntäre finden mich nur noch komisch. Da ich so Schmerzen hatte, sagte ich beim Frühstück wieder nichts und aß so in mich rein und es schien keinen mehr zu stören…sie kenn mich halt nicht anders (gut, wenigstens für sie bin ich nicht anders und verändert…ich hab so mit meinem Wiedererkennungswert allerdings Probleme…). Aber die Gespräche waren es auch nicht wert sich einzumischen (vor allem, weil eine ja eh alles (besser) wusste).

Draußen scheint wieder eine amerikanische (die anstrengendsten Reisenden von allen) Touristengruppe angekommen zu ein. Es ist ein Geschrei und es schallt ein „Fantastic, unbelievable, oh my God“ durch das kleine Guesthouse, dass fast die Wände vibrieren.

 Nach dem Frühstück fand ich den Sinn und die Raffinesse (und das nach fast 3 Monaten!) unseres kleinen Bade raus: Zeit sparen heißt das Zauberwort! Ich konnte mir wunderbar, auf dem Klo sitzend die Beine rasieren und ärgerte mich, dass mir diese Feinheit, diese Cleverness des Architekten vorher entgangen war…wie viel kostbarer Zeit hätte ich sparen können?!?

Dann gingen wir hoch zu den Mädchen. Mir war es zwar komplett schwindelig, aber da es Katis letzter Samstag ist bin ich mit hoch. Angesichts des Festivals tanzten sie einen Stocktanz bei dem sie sich zu zweit mit kleinen Stöcken abklatschen, sich drehen und dann wieder die Stöcke aneinander schwingen (das ist jetzt ja wohl sehr verständlich erklärt…keine Widerrede!). Ich wurde dann auch die die Kunst dieses Volktanzes eingeführt…meine Finger sind noch dran, doch am Anfang hab ich mich wirklich recht dämlich angestellt…am Ende hatte ich den Schwung einigermaßen raus, ich musste allerdings aufhören, da es nicht grade ein Unschwindel fördernder Tanz war. Doch dann wurde ich nochmal gebeten zu tanzen ( diesmal dann allerdings ohne Stab und nachdem ich aus dem Stand in den Spagat, mehr oder weniger, sprang, hab ich zwar eine Bänderdehnung, dafür aber auch den Ruf einer geborenen Tänzerin weg! Abstriche muss hier jeder machen!

Beim Mittagessen habe ich erfahren, das K.-G., die mit den Krätze-Kindern arbeitet, genau wegen einem Krankheitsbild das auf diese passt, beim Arzt war. Der hat die Krätze ausgeschlossen, da die Pusteln an nicht typischen  Stellen wären (by the way: mein Hausarzt in Darmstadt fand damals nicht raus, dass ich Hepatitis A hatte, da ich nicht gelb im Gesicht war…noch Fragen?!)…

Da mein Kreislauf nicht unbedingt auf der Höhe  und meine Bauchkrämpfe nicht verschwunden und es sowieso genug Voluntäre fürs Boarding House waren, war ich so frei und nahm mir den Nachmittag frei. Im Bette liegend sortierte ich Bilder für meine „Das bin ich!“-Foto-Präsentation am Freitag und bekam darauf folgend tierisches Heimweh…was mich die letzte verbliebe Riesenschokolade meines Papas verschlingen lies. Das Heimweh war danach zwar noch da, die aufkommende  Übelkeit ließ sie mich allerdings etwas vergessen. Das wird ein schöner Vortrag und mir wurde erneut bewusst, wie schön ich es auch habe. Eingesperrt in diesem Guesthouse-Käfig ersehne ich die Freiheit und die letzten 10 Tage kommen mir endlos lang vor (oh, ich freu mich sooooooooo!!)! Schlafen konnt ich dann nicht, aber skypen mit der lieben Schwester, was absolut zu bevorzugen war!

Und dann ging es los…wie eine Herde Trampeltiere stürmten die 18 Touristen das Guesthouse. Laut wie 50, nervig wie 100 erobern sie die Fläche und belegen die Plätze meines momentanen Zuhauses, so dass ich weder meine Cola aus dem Kühlschrank holen konnte, noch die Tür auflassen kann (denn der Tisch steht ja genau vor unserm Eingang).

Amy hat mich gefragt, ob ich mit Tanzen gehen will. Meine Kreislauflage abschätzend, hab ich mich für ein „Nein“ entschieden, aber nächste Woche ist ja auch noch ein Tag…ähh, natürlich sieben Tage… Amy ist dann wohl jetzt allein los…sehr mutig in Indien…aber sie macht das schon!

Die Gruppe wird lauter und lauter…solang sie nicht zu singen anfangen…ich hasse Touristen (für mich entpuppen sie sich grade auch eher als Terroristen!)! Pfeifen ist übrigens nicht besser als singen, nur so als Tipp!! (Ich befürchte, das ersehnte Ausschlaf-Vorhaben morgen früh kann ich mir abschminken!)

Und während sie essen, scheint es mir sind sie alle nebenbei noch online…ist ja kostenlos…denn ich kann mal wieder keine Seite laden…Danke, Ihr Deppen!

Habe eben erfahren, dass einige auf dem Dach nächtigen werden…gut, da die Sonne um 6 Uhr aufgeht, ist die Sonntagsmorgenruhestörung schon vorprogrammiert!

Yippieeeeeeee!