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Monats-Archive: August 2012

Mutter Indien kam über Nacht…

Was eine Nacht! Nachdem mein Tinnitus mich genervt hat wie schon lange nicht mehr, konnte ich irgendwann auch mal einschlafen, wenn auch nicht für lange, dann lag ich wieder wach.

 Am nächsten Morgen stand fest: ich werde wieder an meinem Piepston arbeiten und verschwand erstmals eine Stunde aufs Dach. Dort habe ich unter anderem Atemübungen und Meditationen durchgeführt und beschlossen diesem Land nun freundlicher entgegen zu treten, ihm noch ne Chance zu geben!

 Gesagt, getan, als Sacha, Kati und ich zum Fort für ein Picknick raufgefahren sind, kam es mir vor, als ob alles irgendwie nicht mehr so laut und dreckig war. Sacha, die übrigens genauso wie Kati, Andrea und Evelyn schlecht bis gar nicht schlief, meinte sogar, die Straßen wären richtig sauber… ich kann es nur so erklären: Mutter Indien kam heute Nacht über uns!

 Und heiß war es als wir das Fort raufstiefelten! Wir fanden einen „Park“, also eine Grünfläche an einer Wasserstelle gelegen und nach nur kurzen Unterbrechungen „What is your country?“, gönnten wir uns ein schönes mitgebrachtes, warmes Lunchpaket aus dem Guesthouse. Leider bekomm ich langsam nach indischem Essen Sodbrennen, aber solang ich nicht kotzen muss (Ihr seht, mein Optimismus ist wieder hergestellt!)… Dann latschten wir noch ein wenig über das kochende Fort, schüttelten hier und dort einige bis viele Hände und fuhren dann schnell zum Guesthouse zurück, da ich ab 16 Uhr in der Boutique arbeiten sollte.

 Mit etwas Wasser die Unterarme sowie Achseln benetzt, schnell umgezogen und dann wieder rein ins Tuk Tuk und auf zum Clocktower. Die Boutique liegt etwa 7 Minuten zu Fuß von diesem, in einer Seitenstraße, entfernt. Der Laden hat fixe Preise, also Handeln is nich, da es sich um einen Non-Profit-Shop handelt und alles Geld, ohne Abzüge zu den Frauen und in den Trust fließt. Aus diesem Grund ist das Geschäft auch auf Touristen angelegt. Das Verkaufswesen wurde mir rasch erklärt (ich fand es irgendwie zu einfach, es ist aber einfach einfach in dem Shop), dann hieß es 4 Stunden Zeit absitzen… Ein maltesisches junges Pärchen hatte die Ehre meine ersten Kunden zu sein und sie kauften einen ganzen kleinen Elefanten (NEIN, es gibt keine halben!), sie waren sehr nett, aber bald war ich wieder alleine. Die Touristensaison hat zwar angefangen (man sieht mehr und mehr von ihnen), aber viele haben sich nicht in den Shop reingetraut und noch weniger wollten was kaufen. Ein älteres italienisches Paar sorgte dann für meinen Tageshöchstverdienst, in dem es einen Schal ergatterte. Ein indischer Mann erschreckte mich fast zu Tode, als er sich, auf leisen Sohlen reinschleichend, neben meinen Stuhl aufbäumte und „Please, Mam, please“ in mein Ohr schrie. Völlig entgeistert schrie ich zurück: „No, please, no!“ und versuchte danach, immer noch völlig schockiert über diesen dreisten Angriff, ihn zu ignorieren. Ein Mann von der Straße rief ihn dann glücklicherweise wieder raus. Um kurz vor zwanzig Uhr schloss ich den Laden ab und ging zum Clocktower, um mir da ein Tuk Tuk zu nehmen. Verlaufen hätt ich mich allerdings fast, da nachts irgendwie (um 8 Uhr ist es schon stockdunkel) alles gleich aussieht und der Weg erschien mir irgendwie länger… War er aber nicht, denn ich kam genau da an, wo ich hinwollte!

 Ein sehr anstrengender, aber auch schöner Tag! Vor allem: ICH in der Boutique, das hätt ich mir ja nie träumen lassen! Ich bin froh, dass es bei den 3 Tagen bleibt (Mittwoch ist dann mein Zweiter), aber eine Erfahrung war es auf jeden Fall! Außerdem kommt man mal dazu, mit anderen Menschen zu sprechen als sonst!

 Da ich heute doch sehr müde bin, bleibt es bei diesem kurzen Text, gute Nacht, Ihr Lieben…

 P.S. Falls ich morgen nicht von Dirkusch vergessen werde, geht´s morgen zum High-Court…

 

 

Grünes Grün!

Nachdem die Saat der Angst nun bei mir ausgestreut wurde, ich könnte eine gefährliche Form der Malaria, die sich schon bei 37,5 Grad zeigt, haben, verspreche ich auf meinen Körper aufzupassen und jede Form der Veränderung zu dokumentieren und, vor allem, pedantisch Fieber zu messen. Mir geht es wieder besser, nur etwas schlapp fühl ich mich noch, was allerdings mit meinem Blutdruck und der Medikation, die ich im Bedarfsfall absetzen soll (nehme jetzt eine halbe Tablette, da fühl ich mich „gut“ mit), zutun haben kann. Falls in 2 Tagen wieder erhöhte Temperatur auftauchen sollte (Malaria macht Fieberpausen…faule Socke!), werde ich sofort zum Arzt gehen (aber zu einem PRIVATEN Arzt, in dieses Krankenhaus bekommt mich niemand!) und einen Test machen lassen! So, nun aber genug von diesem Thema, sonst bekomm ich noch Pseudofieber!

 Gleich steigt die Temperatur aber gewaltig an…unsere Ventilator hat den Geist aufgegeben…hoffentlich nur kurz!!!

Eine der Grannys (der Kampf der Generationen hat sich wieder gelegt) hat mir, nachdem ein „Mensch Mädel, was hast du abgenommen!“ (bezieht sich allerdings mal wieder leider nur auf das Gesicht!) ihren Lippen entfuhr, meine dilettantisch gebügelte Kurta geschnappt, um diese schön glatt zu bügeln. Manchmal ist es doch von Vorteil, sich etwas blöd zu stellen (wobei ich ja echt nicht bügeln kann!).

Ähämm, manchmal muss ich mich allerdings nicht blöd stellen, manchmal ist man es einfach (um die Sache mal nicht spezifisch nur auf mich zu beziehen, das hätte auch (fast) jedem anderen passieren können…denke ich…) …jetzt hab ich Bescheid gesagt, dass der Ventilator nicht mehr funktioniert und er wurde mit einem Griff „repariert“, nämlich, dem Umlegen eines Schalters an unserer Schalterwand…manchmal liegen Dummheit und Genialität nur 2 Hebelweit entfernt…

Stromausfall…jetzt komm ich bestimmt nicht in die Küche, um mitzuteilen, dass der Ventilator nicht mehr läuft…da könnt Ihr lange warten!!!

 Mittagessen…nee, es schmeckt mir nicht mehr!

 Eben kam eine neue Voluntärin aus irgendeinem Nativ-Engishspeaking-Land an mit immensen Ess-, bzw. Lebensmittelproblemen. Sie sollte nach Setrawa geschickt werden (Annemarie ist seit gestern auch weg, jetzt ist das Dorf voluntärslos), na danke, die wird ihren Spass haben…ich glaube sie wird wohl doch in Jodhpur eingesetzt. Da Johanna eben weg ist (heul…) und Sacha nächste Woche fährt (heul…) sind und werden ja Plätze frei!

 Man glaubt es kaum (und ich noch viel weniger…) ich, bzw. wir waren heute in einem Park mit den Kids und dieser war noch nicht mal weit vom Boarding House weg. Nachdem die meisten der Mädchen ihre Hausaufgaben beendet hatten gingen wir in einen kleinen, aber feinen (vor allem für Indien) Park und die Mädels durften endlich toben! Und ich (leider…ächtz und stöhn) auch. Wir haben Frisbee gespielt (ich habe diese dämliche Scheibe sogar des Öfteren gefangen) und Ball mit Poonja, dem Mädchen, das durch Kinderlähmung kaum laufen kann und auch Probleme mit den Ärmchen hat (zuhause hieß sie „Tochter Nr. 4“ und durfte sich als Sklavin der Familie nützlich machen. Erst im Boarding House durfte sie sich dann einen Namen aussuchen!), da sie bei den Staffellaufspielen nicht so mitmachen konnte. Nichts desto trotz wollte sie rennen und zwar dem Ball hinterher und so wurde aus dem Werf-, ein Rennspiel. Viele der Mädchen waren traurig wegen Johanna und wir winkten jedem Flugzeug nach das wir sahen. Und auf die Frage, wie lange wir denn noch bleiben und ich „2 Monate, laaaange noch“ sagte, war die kleine Wimmler ganz verschreckt und meinte, dass wäre aber schon eher kurz… Jeder sieht das eben anders…

 Und ich bin stolz auf mich! Wie durch ein Wunder habe ich die Namen der Mädchen alle auswendig gelernt! Als ich anfing dachte ich, das schaffe ich nie im Leben!! 15 Mädchen mit fremdklingenden Namen, wo ich doch eh so ein Namenmerkproblem hab…aber, tataaaa, es hat geklappt!

Ach ja, die Voluntärin, die nach Setrawa, sie ist Amerikanerin, hat wohl einen Zickenafall bekommen „Wenn ich auf´s Dorf muss, dann flieg ich gleich wieder zurück!“ und ihre „Allergie“ ist eine Religion, die Knoblauch und Zwiebeln verbietet…o.k.!?!? Jetzt muss wegen ihr immer noch etwas extra zubereitet werden. Hätte sie sich nicht Skandinavien aussuchen können? Indische Gerichte ohne Zwiebeln und Knoblauch?? Viel Nachgedacht hat sie anscheinend nicht…Besonders seltsam, da sie indischer Abstammung ist…

Mensch, was sind meine Haare hier am leiden!! Nicht nur, dass sie bei der Hitze austrocknen und der Dreck und Schmutz in der Luft und überhaupt überall bestimmt auch nicht zur Besserung beitragen, ist das Läuseshampoo sicher auch keine Haarkur!! Und diese rote Kopfhaut danach (o.k. besser als eine läuseschwarze)… Es leidet (mein Haar)…

Die Amerikanerin ist übrigens eine Engländerin, die alles besser weiß,…mal schaun.

Eben noch ein nettes Sit-in mit Sacha, Marianne, Kati und der Engländerin, die 6 Monate unterwegs ist und leider schon Dienstag nach Nepal reist, gehabt, nun noch Satz zu Ende schreiben und dann zu Bett…

Gute Nacht!

 

 

Ich finde keine Überschrift…Mist aber auch!!

Fieber ist weg (auch wenn es sich nicht so anfühlt), aber ich bin noch total schwach („jammer, jammer“) und deshalb hab ich mir jetzt den Nachmittag frei genommen! Der Schauspielunterricht war anstrengend genug, beim Warm-Up hab ich schon schlapp gemacht.

 Aber Fares war sehr nett! Nach dem Unterricht, als ich die Treppe runterkam (der Unterricht findet in einem Obergeschoß des Guesthouses statt) und an ihm vorbeischlich (nicht um an ihm vorbei zuhuschen, sonder einfach weil es nicht schneller ging (wieder „jammer“) rief er mir zu „Cheer up! Where is the Anke (ja, er sagt nicht „Ankel“!) we use to know? “. Nachdem ich ihm erklärte, dass sie hoffentlich Montag wieder da ist und ich heute nicht ins Boarding House ginge, nickte er und lächelte… Hmmm, hab ich was verpasst oder ist das vielleicht ein Trick???

 Kati und ich müssen nun mal unsere Ideen getrennt voneinander aufschreiben und dann zu einem Gesamtkonzept kommen, denn heute hat man gemerkt, wir sind zwar noch weit von der Premiere entfernt, aber zum Rumimprovisieren fehlt die Zeit!

Hier ist zurzeit eine junge Engländerin. Sie kam als ich krank wurde, habe ich bis heute Morgen also nicht mit ihr gesprochen, weil ich zum Englischunterhalten zu müde war (oh je, das Jammern hört gar nicht mehr auf…). Heute nach dem Frühstück hatten wir dann allerdings die Gelegenheit. Sie hat sich für 6 Monate ein Sabbatical (oder eher ein „Half-Sabbatical“) genommen und reist nun, in London angefangen, über Paris, Rom, Türkei, Georgien, mit Zwischenstation Indien (die geplanten 5 Wochen hier hat sie auf 2 gekürzt…wundert mich nicht…), als nächstes Nepal, dann Thailand, Vietnam, vielleicht China und dann wahrscheinlich nach Südamerika. Immer wieder Teilbegleitet von Freunden und Verwandten, die an meinem ihrer jeweiligen Verweilort ihren Urlaub verbringen. Toll!!! Ich mach mir auch schon Gedanken, ob ich meine nächste Voluntärzeit nicht in Afrika mit anschließenden Ferien verbringen soll (ja, Ehemann, mit Dir!! Also die Ferien…). Ich spinne echt…ich freue mich auf Zuhause und plane schon das Nächste… Liebe Anke (ein kleiner Appell an mich): „Eins nach dem Anderen!!!“ Danke! (Diesen „Anke“ „Danke“-Witz, hahaha, darf nur ich machen!)

Heute sollen die Mädels vom Boarding House vermessen und gewogen werden. Bin mal gespannt! Die erste Messung so vor einem Monat hat gezeigt (konnte man allerdings auch schon voraussehen), dass alle Mädchen unterernährt sind. Die „Schwerste“ wog 17 kg und das war bestimmt Rika, die die Größte und Älteste ist.

 Wenn man nix zu tun hat (außer „Störtebeker Teil 1 und 2“ auf youtube zu schaun), dann vergehen die Tage zwar schnell, aber man fühlt sich schon sehr unnütz (jetzt fängt das Jammern ja schon wieder an…), hoffentlich fühl ich mich morgen wieder fit! Ich will zu meinen Babys und außerdem ist mir langweilig!

 Heute ist Johannas letzter Abend. Sie hat aber nichts von Essen gehen gesagt. Ist mir auch lieb, ich esse heute gerne hier und es wäre irgendwie doof gewesen, alleine hier zu bleiben. Ja, jetzt beginnt die Rückreisewelle! Erst Johanna und dann nächste Woche Sacha…schade!

 (Bei „Störtebeker“ finden sie grade die Pantry unter Deck (für alle Nichtkreuzworträtseler: die Speisekammer) bestückt mit Schinken und Wurst (Schinken ist natürlich auch Wurst, wir wollen aber jetzt nicht kleinlich werden!), hier nun einen kleine Auflistung, was ich alles machen will, wenn ich wieder zuhause bin: – ein Bad nehmen (oder auch gleich mehrere), – schwimmen gehen, – ein Schnitzel Bolognese essen, – in Flensburg feiern bis die Sonne wieder lacht (was im November, wenn ich wieder komm sehr spät sein kann!),- ein riesengroßes, noch fast blutiges Steak essen, dazu Pommes Schranke, – MINIRÖCKE tragen!!!, – spazieren gehen an der frischen (!) Luft und noch viel mehr (die Reihenfolge der aufgezeichneten Dinge ist rein willkürlich (ist das nicht interessant das „willkürlich“ und „unwillkürlich“ die gleiche Bedeutung hat!?))).

 Kati ist wieder da und hat mir die Angst vor der Boutique genommen, zumindest geschmälert…Sonntag werd ich mehr wissen (ob ich will oder nicht..)!

 Das Essen ist wirklich lecker (ausser man findet wie ich heute ein langes schwarzes Haar ins Chapati eingebacken), aber sehr einseitig…es wird Zeit, dass wir doch wieder essen gehen (mal hop, mal top und manchmal ein Flop…oje, ich muss dringend nochmal Fieber messen…)…

 P.S. Kleiner Nachtrag: Renate hat Läuse!

 

 

Dieses Land macht mich krank…

Da ich immer noch krank auf meiner Pritsche liege (Kati hält den Workshop allein) kann ich ja von der Frau aus Setrawa, die an einen Baum mit Fußfessel gebunden ist, erzählen. Diese junge Frau, die schon vor 2 Jahren so „leben“ musste, vor den Augen des Dorfes, die natürlich diese schlossen, ist aktuell wieder, mit kurzgehaltener Eisenkette, genau dort angebunden. Sie rollte Bälle aus Sand und ihrem Urin und singt dabei Liebeslieder. Ihr Mann hat sie wohl vor 2 Jahren das erste Mal dort angekettet. Dann wurde sie wohl laut, schrie und ihre Familie hatte Angst vor ihr, so dass sie zu Schamanen zur Teufelsaustreibung, zum Exorzismus, gebracht wurde. Was da alles mit ihr angestellt wurde, darüber mag man sich gar keine Gedanken machen. Danach war sie dann „richtig“ verrückt in den Augen ihrer Familie (wenn wundert das…), sie wurde nach Jodhpur, hier ins Gästehaus gebracht, hier eingesperrt von der Mutter, um sie später von einem Psychiater anschauen zu lassen. Doch sie konnte fliehen und trampte, lief, kroch zurück nach Setrawa. Auf dem Weg zurück in die Wüste wurde sie noch ein paar Mal vergewaltigt. Jetzt hockt sie wieder im Sand an einem Baum, die Familie möchte sie am liebste vergiften, weil sie nicht weiß, was sie mit ihr anstellen soll. Sie spricht leise, mit einem Lächeln, ihre Sätze sind aber mit Fäkalbegriffen bestückt. Ihr erstgeborenes Kind, ein Mädchen, durfte die junge Frau natürlich auch umbringen, wenn die Familie das tut, sei es schlecht für´s Karma.

Dieses Land ist alles andere als freundlich, nett, zuvorkommend! Die Gastfreundschaft ist ausgeprägt, aber nur, wenn Du „weiß“ bist (was, allein der Tatsache halber, dass die Inder so stolz darauf sind die „Weißen“ erfolgreich aus ihrem Land vertrieben zu haben, ziemlich widersinnig ist). Dann wird’s Du hofiert, man lässt Dich vor, man wird angelächelt und alle winken einem freudestrahlend zu. Aber wehe, Du bist ein Landsmann…noch schlimmer eine Landsmännin! Dann ist es aus mit dem Lächeln! Gepeinigte Ehefrauen werden zu bitterbösen Schwiegermüttern, Opfer zu Tätern, Männer beachten ihre Frauen als Sklavin, unter Kasten sprechen nicht mit Höheren, bzw. verhalten sich dementsprechend ehrerbietig und schauen nur auf den Boden, küssen die Füsse des anderen (was dann wohl soviel heißt wie: „Der Schmutz auf Deine Füßen ist mehr wert als ich“). Nein, Indien ist kein freundliches Land!!!

Vielleicht bin ich ja auch deshalb krank!? Vielleicht reagiert mein Körper grad einfach auf die Erlebnisse, die er verarbeitet, die Ungerechtigkeit, die Brutalität und die Verlogenheit dieses Landes!

 Ich habe auch einen anderen Blick auf Bollywood bekommen. Die indischen Kinofilme sind nicht zur Vorgaukelung falscher Tatsachen da, ich glaube auch nicht, dass sie eine Traumwelt erschaffen wollen. Ich denke eher, dass sie ein gezieltes Mittel sind um aufzuklären! Das es Liebe zwischen Pakistanern und Indern gibt, das behinderte Kinder auch geliebt werden müssen, dass Witwen wieder heiraten dürfen und das Liebesheiraten auch gut gehen können. Hoffentlich kommt diese Nachricht auch bald an, dringt durch, weil ins Kino geht jede Kaste,…!

Das musste ich alles jetzt mal loswerden…

Jetzt kann ich was Schönes erzählen! Nämlich, von über die wohl uneigennützigste, herzlichste und aufopfernste Frau, die ich kennenlernen durfte…von Nyrmella… Nyrmella ist 22 Jahre alt, Mutter eines kleinen Sohnes, wieder schwanger und Lehrerin. Außerdem ist sie die Ersatzmutter für unsere 15 Wüstenbabys. Ohne zu fragen, hat sie die Kinder in ihr Haus aufgenommen, verpflegt sie, kümmert sich um sie, macht mit ihnen Hausaufgaben, holt sie von der Schule ab und geht mit ihnen jeden Tag noch kurz in den Park. Erzählt mit einem Stahlen im Gesicht (leider muss ich meistens raten, was sie sagt, da ihr Englisch sehr schlecht ist), wie die Mädchen sich über die täglichen Ausflüge freuen, belohnt sie, nach den Prüfungen mit Picknick im Park und bleibt die ganze Nacht auf, um Hausaufgaben für die Mädchen zu machen, wenn diese zu müde sind, damit sie in der Schule nicht geschlagen werden (ja, Schläge gehören hier zur Disziplin und wie sagte so schön eine junge (!) Lehrerin:“ Wer Angst hat, lernt besser!“ So, so…). Und immer lächelt sie und spricht ruhig mit den Kindern. Ist gerecht und versucht sich um alle gleich zu kümmern. Nyrmella ist eine tolle Frau (die leider NICHT ihr Land repräsentiert)!!!

 (Jetzt hab ich mich auf dem Klo fasst auf ne Kakerlake gesetzt…die soll gefälligst auf die Ameisenbabys aufpassen und nicht auf dem Toilettensitz Sonnenbaden!!)

Ich weiß nicht, ob ich morgen schon wieder arbeiten kann…einerseits ist es total doof Kati und die Anderen erst beim Workshop und später bei den Babys (da ist Kati nämlich nicht, sie schaut sich die Boutique an, da sie am Montag dran ist; ich werde dann eher früher am Sonntag hingehen), aber schließlich bin ich hier freiwillig! Schaun mer ma, wie es mir später geht, momentan ist das Fieber noch nicht gesunken!

 

 

Von Tieren und anderen Kranken

 Wir scheinen so was wie eine Krabbelgruppe für Ameisenbabys im Badezimmer zu haben. Lauter klitzekleine Winzlinge laufen am Wachbecken herum. Ich hoffe mal die Kakerlake, die ebenfalls das Bad bewohnt fungiert als Aufsichtsperson, andernfalls mach ich mir schon Sorgen um die Kriechtierchen. Sie sind in unserm Schlafzimmer nämlich sehr unerwünscht, im Waschbecken wohnt ein ekliger roter Ekelwurm und dem Schimmel an der Tür (nein…kein Pferd!) kann man auch nicht trauen. Ausserdem ist unser Klodeckel abgefallen und der Gestank könnte die Ameisenkinder anlocken…ich bin mir nicht sicher, ob sie schon schwimmen können!

 Nach einem Frühstück genieße ich nun die Ruhe! Alle, also fast alle sind unterwegs, nur die Vögel im Käfig (!) stören noch! Habe nun meine erste Getränke-Rechnung bezahlt. Knapp 24 Euro. Gesoffen hab ich: 7 Boxes of water (eine Box umfasst 12 Liter), 14 Softdrinks, 3 Chai, 3 Flaschen Wasser und 2 Bier in Setrawa (die haben es wahrscheinlich rausgerissen, da die Alkoholsteuern hier so hoch sind!)… Moment mal…ich bin ja jetzt für Mathe zuständig… 12 mal 7…und ich hab noch ein paar Flaschen in der Box…dann hab ich ja in 22 Tagen an die 80 Liter getrunken…na, das ist doch mal löblich!!!

 Kati und ich fürchten einen sehr anstrengenden Tag, da die Proben im Unterricht ziemlich schleppend sind und wir später ja alleine für 15 Läusebabys zuständig sein werden. Morgen Nachmittag, nach den Proben, hab ich auf jeden Fall „frei“, da ich mit Sacha in die Boutique gehen werde, um mir den Ablauf mal anschauen zu können (Sonntag bin ich ja dran!) und ich werde den Stoff für unser Schattenspiel am Clocktower besorgen (ja, es wird ein Stück auf mehreren Ebenen, vorne, sowie auch hinter Stoff…mehr wird nicht verraten!).

War grade fröhlich am Bilderrunterladen, glücklich endlich das letzte Bild für die Reihe „Rund um den Clocktower“ in der Mediathek zu haben und schwupsdich wupsdich…Internet fort… ich darf ja nicht meckern, wir hatten ja fast 3 Tage am Stück Netz! Und außerdem bin ich wahrscheinlich selbst am Verlust mitschuldig, da ich heute Morgen noch dachte: „Wird ja eigentlich mal wieder Zeit, dass das Internet ausfällt…!“, die Gedanken sind hier wohl doch nicht so frei, ich werde sie demnächst zügeln müssen!

Ich glaube das Internet spielt mir einen Streich, der Schelm…jetzt geht´s wieder. Sehr gut, dann kann ich mit meiner Alibi-Aktion endlich Ordnung in meinen Koffer zu bringen, was eh nicht funktioniert, da ich in meiner neuen Behausung a u s ihm leben muss, aufhören und Bilder posten…

Der Unterricht war o.k., sehr durcheinander, aber das sind wir ja mitleiweile gewöhnt. Spannend bleibt nur, wann überhaupt ne Vorstellung stattfinden kann/wird… Dafür steht das Stück aber wenigstens schon in unsern Köpfen und das ist ja schon mal ein Anfang!

 Im Boarding House war die Enttäuschung erst mal groß, dass wir nur zu zweit ankamen, aber nachdem Kati wieder zu Englisch pauken eingeteilt wurde und ich meine Mathe-Mädchen hatte wurde sich beruhigt. Nervig war nur, dass auf einmal so viele der Babys an Mathe interessiert waren! Und einen großen Erfolg hab ich zu vermelden: Koshilia konnte das Subtrahieren mit Überschlag (338-269 z.B.) beigebracht werden. Und zwar voooooooooonnn: MIR! Anfangs wurde rumgezickt und sie hat sich verweigert, weil sie es nicht kapiert hat, doch mit Zureden und Zuwendung kamen wir dem Ziel näher…mal gespannt, ob sie es sich behalten hat.

Später kam dann doch noch Renate (die Geschichte von der angebundenen Frau erzähl ich Euch in einem anderen Beitrag) und wir beide mussten mit Koshilia wegen Hautausschlag und mit Samtha wegen ihrem Ohr ins Krankenhaus. Der Vorplatz des Krankenhauses war mehr oder weniger ne Müllhalde und drinnen war es mega-voll. Wartende Menschen stapelten sich über wartenden Menschen. Renate ging mit Koshilia und ich war für die kleine Samtha zuständig. Die ständigen Blicken und dem Lachen und Zugewinke lassen vermuten, dass doch einige der Kranken regelrecht froh waren, grad heute ein Krankenhaus in Anspruch nehme zu müssen! Auch die Frage, die immer wieder kehrte, wie wir denn verwandt wären, Samtha und ich, führte immer wieder zu einem gutmutigen Lächeln. OHNE zu Warten kamen wir, in einem Kellerraum, gleich dran und der Arzt, der ein nicht ganz so einfaches Englisch sprach, erklärte mir, dass die Kleine ein Loch im Trommelfell hätte und deshalb eine chronische Ohrentzündungen hat. Dieses Loch müsste dann irgendwann mit einer kleinen OP geschlossen werden (und wer bitte sehr soll das bezahlen??), jetzt müssen noch Ohren ausgespült und einige Tests gemacht werden. Die Flüssigkeit zum Ohrenausspülen wurde kurz mit dem nackten Finger des Arztes umgerührt und dann kam so einiges raus aus dem Hörorgan. (Vorher musste natürlich alles bezahlt werden, aber blieb das böse Erwachen am Schluss aus. 700 Rupees, also 10,10 was für einen Inder schon viel ist kostete die Behandlung). Dann gingen wir in einen Operationssaal, aus hygienischen Gründen mussten die Flip Flops ausgezogen werden und man ging barfuß rein…) und umgeben von 5 anderen Krankenhausangestellten, die alle mich anglotzten, wurden weitere Test gemacht. Ich „half“ Samtha indem ich laut „Aaaaa“ und „Iiiiii“ mitmachte, was zur absoluten Belustigung des Volkes um mich rum beitrug. Arme Samtha, sie war einfach voll eingeschüchtert bei so vielen Menschen! Bei dem nachfolgendem Hörtest stellte sich raus, dass sie auf einem Ohr 10% und auf dem anderen 12% Hörverlust hat. Dann wurden Medikamente eingekauft und ein letzter Besuch beim Arzt, der die Medikation erklären wollte (immer OHNE zu Warten!).

 Nun muss ich einen kleinen Einschnitt machen bevor ich weiter berichte. Ich bin sehr gerne eine Frau, allerdings gibt es bestimmte Tage im Monat an denen ich gern darauf verzichten könnte! Diese Zeit im Monat nahm ihren erneuten Anfang und mein Kreislauf war komplett im Keller. Ich saß also bei diesem Arzt, der mir nun alles erklärte und bemerkte, wie es bunt (bunt ist ja bekanntlich kurz vor schwarz) wurde und dachte mir nur: „Alles, nur nicht in diesem Krankenhaus ohnmächtig werden!!!“ und stürzte mehr oder weniger, ziemlich ungalant aus dem Zimmer raus. Renate saß vor der offenen Tür, sie hatte die Einnahmeerklärungen auch mitbekommen und führte noch kurz das Gespräch. (In 7 Tagen müssen wir nochmal hin, dann kann ich mich bei dem Doktor entschuldigen!). Draußen musste ich mich auf den, dem Geruch nach vollgepissten, Boden setzten und im Boarding House (es war inzwischen schon 20 Uhr) kümmerten sich die Kleinen ganz rührend um mich! Mit Eskimoküssen, Rücken die mir zum Anlehnen angeboten wurden und der Frage, ob ich mich nicht in ihr Bett legen wollte wurde ich umsorgt. Wenn sich mein, auch etwas in Mitleidenschaft gezogenes, Ohr nicht getäuscht hat, so verabschiedete sich Rika sogar mit einem „I love you, good night“…

Im Guesthouse angekommen nahm ich alles, vom Schüttelfrost über Würgereiz bis zu tierischen Rückenschmerzen, mit. Die Nacht war auch nicht viel besser! Abgesehen, dass ich seit gestern Abend auch erhöhte Temperatur habe (ein Symptom, was irgendwie nicht so ganz reinpasst). Anziehen wegen Frost, Ausziehen wegen Schwitzen, Anziehen, Ausziehen…was ein Glück, dass Kati einen so gesegneten Schlaf hat! Da ich immer noch erhöhte Temperatur habe, werde ich heute dem Workshop zwar beiwohnen, mich danach aber wieder ins Bett verkrümeln…

 Ich denke ja ich habe einen akuten Eisenmangel. In Deutschland hat mir meine Ärztin gesagt, ich solle deswegen 2-3 mal die Woche dunkles Fleisch essen, woraufhin der Mangel auch verschwand, aber find hier mal eine Kuh, in die Du reinbeißen darfst!!! Im Übrigen hat es wieder geregnet, das heißt so viel wie: pas de Internet! Öfter mal was Neues…